Aufgebracht: Dirigent Christian Thielemann. - © apa/Barbara Gindl
Aufgebracht: Dirigent Christian Thielemann. - © apa/Barbara Gindl

Salzburg. Im April standen die Zeichen noch auf Entspannung: Christian Thielemann, Stardirigent und künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele, schlug im "ORF"-Interview überraschend milde Töne an. "Ich setze weiterhin darauf, dass wir noch einmal ruhig miteinander reden", sagte er über den schwelenden Konflikt. Dieser war durch einen Beschluss der Festspielgremien ausgelöst worden. Der streitbare Maestro muss seine Macht in Zukunft teilen: 2020 stößt der Kulturmananger Nikolaus Bachler zum Festival, erst als kaufmännischer Leiter, ab 2022 mit "künstlerischer Gesamtverantwortung".

Das "ruhige Gespräch" scheint nun aber nicht gefruchtet zu haben. Die "Salzburger Nachrichten" melden vielmehr, dass der Konflikt eskaliert. Der Zankapfel: Die Opernpremieren des kleinen Festivals ab dem Jahr 2022. Sowohl Thielemann als auch Bachler wähnen sich entscheidungsbefugt. Der Dirigent will 2022 "Lohengrin" zeigen und im Folgejahr "Elektra". Er beißt damit aber bei Bachler auf Granit: "Das geht mit Ihrem Vertrag nicht und das geht bei mir nicht", beschied der Neo-Geschäftsführer dem Pultstar in einem Brief, der den "SN" zugespielt wurde. Der Zeitung liegt außerdem ein Schreiben vor, das Thielemann an die Gesellschafter und Aufsichtsräte der Osterfestspiele gerichtet hat. Die Kür Bachlers habe zu einer "planerischen Pattsituation" geführt, klagt der Klassik-Star in dem Schriftstück. Thielemann sei "über den künstlerischen Fortgang der Osterfestspiele Salzburg in hohem Maße besorgt" und bitte die Gremien um eine "verbindliche Klarstellung".

Der Konflikt ist nicht nur darum delikat, weil er zur Demontage eines weltweit umjubelten Dirigenten führen könnte. Das Festival läuft überdies Gefahr, sein Residenz-Orchester verlieren: die Staatskapelle Dresden, der Thielemann als Chefdirigent vorsteht. Derzeit scheint der Dirigent jedenfalls nicht mit einem Abgang zu liebäugeln: Thielemann "denkt nicht daran, zu kündigen", zitiert die "SN" den Rechtsanwalt und vormaligen Geschäftsführer des Festivals Peter Raue.