Riga. "Wir haben ein Budget!" Sätze wie diese hört man hierzulande im Kulturbereich nur noch selten. Permanente Kürzungen und Einsparungen haben dazu geführt, dass man als Kulturschaffender seine Erwartungen in finanzieller Hinsicht ganz nach unten geschraubt hat. Nicht so in Riga. Hier sieht man die Dinge etwas anders - vor allem, wenn es darum geht, das Land als Musikland zu etablieren. Denn das hat man sich hier ganz offensichtlich zur Aufgabe Nummer eins gemacht.

So kommt es, dass inmitten der pittoresken Landschaft an der von Sanddünen durchzogenen Küste Lettlands ein klassisches Musikfestival auf die Beine gestellt wurde, das in seinem Umfang und der gebotenen musikalischen Qualität den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Das Riga Jurmala Music Festival findet an vier Wochenenden im Sommer statt und soll internationale Musikliebhaber nach Lettland bringen. Ermöglicht wird es von beinahe ausschließlich privaten Financiers, die sich zumindest darin einig sind, dass das ambitionierte Vorhaben nicht am Geld scheitern soll.

Anders wäre es wohl kaum möglich gewesen, ein derartiges Programm ins Leben zu rufen. Zubin Mehta, Murray Perahia, Yuja Wang, das London Symphony Orchestra, das Israel Philharmonic Orchestra: Die Liste der Künstler, die hier, in Riga sowie dem unweit am Meer gelegenen Kurort Jurmala, auftreten, liest sich wie ein Who’s Who der Klassikszene.

Warum tut sich ein kleines Land wie Lettland das an? Die Antwort ist einfach: "Ziel ist es, das öffentliche Image von Lettland aufzubessern", so Zane Culkstena, Generaldirektorin des Festivals. Und wenn man genau hinsieht, hat es das auch bereits geschafft. Gidon Kremer, Elina Garanča, Mariss Jansons, Andris Nelsons - klingende Namen von Musikern, die allesamt aus Lettland kommen. Irgendetwas also macht dieses kleine Land im Baltikum richtig, wenn es darum geht, Musiker zu fördern.

Historische Bedeutung der Musik

Das passiert hier tatsächlich von Kindesbeinen an. Möglich gemacht wird es durch ein noch aus der Sowjet-Zeit stammendes vom Staat finanziertes Musikschulsystem, zu dem jedes Kind gratis Zugang hat und das sich an den regulären Schulunterricht anhängt. Ein Drittel des Budgets des Kulturministeriums fließt in diese Form der Musikausbildung.

Dass Musik hier so eine große Bedeutung hat, ist aber auch historisch gewachsen. Denn Lettland hat seine Identität viele Jahre hindurch nicht auf Grenzen aufbauen können. Zu turbulent ist seine Geschichte, zu oft war es Teil eines anderen Reiches, nicht nur vor seiner ersten Unabhängigkeitserklärung 1918, sondern auch danach, als es Teil der Sowjetunion wurde, als es Besatzungsland Deutschlands im Zweiten Weltkrieg war, als es den Kalten Krieg durchlebte.