Wenn Teodor Currentzis Mozart dirigiert, dann tut er das mit dem Laserpointer - beziehungsweise mit dem akustischen Pendant dazu. Jede Phrase ist plastisch, das Ohr wird klar durch die Klanglandschaften geführt. Currentzis lotet dabei Extreme in Tempo und Dynamik aus, scheut vor Kontrasten nicht zurück. Auch beim Finale des bejubelten Da-Ponte-Zyklus, mit dem das Wiener Konzerthaus in die aktuelle Saison gestartet ist, zeigt der Dirigent am Pult der MusicAeterna, wie aufregend, wie lebendig und wie vielschichtig leuchtend Mozarts Klangwelten klingen können.

Eben jener Mozart ist auch bei "Così fan tutte" am Montag der eigentliche Star des Abends. Das stimmige halbszenische Konzept (Nina Vorobyova) passt ideal zur Arbeitsweise Currentzis’ und seines Orchesters: Die Musiker als fein abgestimmte, komplexe wie homogene Gruppe - und damit die Musik selbst - stehen ganz klar im Mittelpunkt. Orchester und Chor beweisen einmal mehr Spielfreude und Präzision.

Bei den Solisten dominieren schlanke, flexible Stimmen, die Currentzis an den Rande der technischen Möglichkeiten bringt - die lyrische Nadezhda Pavlova als Fiordiligi brilliert mit atemberaubenden Piani, der junge Tenor Mingjie Lei (Ferrando) sticht durch vokale Leichtfüßigkeit hervor. Dem Sänger-Startum erklärt Teodor Currentzis damit eine klare Absage, was zählt, ist nicht die Einzelleistung, sondern das gemeinsame Musizieren aus einem vitalen Guss. Und das geschieht freilich ganz nach den Vorstellungen des Dirigenten.