Meisterhafter Cellist: Nicolas Altstaedt. - © Marco Borggreve
Meisterhafter Cellist: Nicolas Altstaedt. - © Marco Borggreve

Es war ein krachender Erfolg: Während die 102. Symphonie von Joseph Haydn erstmals erklang, knallte ein Kronleuchter zu Boden - er sauste an den begeisterten Londonern aber vorbei. Rund 200 Jahre später erneut ein Schreck rund um das Orchesterwerk: Vor Konzertbeginn am Mittwoch rauschten heulende Feuerwehrautos durch Eisenstadt, ein Sirenenalarm jaulte durch die Luft. Doch nur eine Übung. Einsatzkräfte hatten an diesem 11. September (!) einen Anti-Terror-Einsatz simuliert. Ein voller Erfolg, hieß es danach.

Einen solchen kann man auch dem Konzert konzedieren. Herbstgold, das Musik- und Gastro-Festival auf Schloss Esterházy, ging am Mittwoch in seine dritte Ausgabe, abermals mit denselben zwei Künstlern im Zentrum: Neben dem Tonsetzer, der hier einst in fürstlichen Diensten stand, ist dies Nicolas Altstaedt. Der Cellist bestreitet alljährlich das Eröffnungskonzert im Auftrag der Stiftung Esterházy und widmet sich dabei nicht nur seiner Kernkompetenz, sondern auch dem Dirigieren.

Dabei hat er seine Signalgebung verbessert. Das planvolle Chaos, das Haydn in seiner humorigen Symphonie Nummer 60 anzettelt (Beiname: "Der Zerstreute"), wird pointensicher und spannungsvoll gereicht. Altstaedt hält den Idealen des Originalklangs - Wendigkeit, Akzentschärfe - die Treue, verzichtet aber auf Tempoextreme. Auch die Doppelrolle als Dirigenten-Cellist trägt heuer Früchte: Die "Vier transsylvanischen Tänze" des Ungarn Sándor Veress (1907-1992), modern, doch hochmelodisch, wirken von Leidenschaft durchglüht. Davon hätte Schumanns Cello-Konzert zwar etwas mehr vertragen: Während Altstaedt alle Hände voll zu tun hat, wirkt die Haydn Philharmonie streckenweise energetisch unterversorgt. Dafür gerät Haydns Nummer 102 zum quirligen, umjubelten Schlusspunkt.

Weitere Konzerte (unter anderem mit Robert Holl, Marlis Petersen, Kirill Gerstein und Harri Stojka) bis 22. September.