Der Machtkampf bei den Salzburger Osterfestspielen ist entschieden. Der Stardirigent Christian Thielemann, bisher Leiter, wird nach dem Frühling 2022 abziehen. Die Gesamtverantwortung trägt ab dann Nikolaus Bachler. Ursprünglich hätten die beiden das Festival ab 2022 gemeinsam leiten sollen. Zuletzt spitzte sich aber ein Konflikt zwischen ihnen zu. Am Dienstag gaben die Gesellschafter der Festspiele den Exodus des gefeierten Dirigenten bekannt.

Ebendieser Christian Thielemann hat die Osterfestspiele 2013 aus einer Krise gerettet. Ein Finanzskandal hatte das Festival erschüttert, zudem war ihm das Residenzorchester abhanden gekommen. Die Berliner Philharmoniker hatten beim Osterfestival von Baden-Baden einen neuen Arbeitgeber gefunden. Thielemann füllte die Lücke nicht nur glamourös, sondern in sinnvoller Konstellation: Sowohl Thielemann als auch die Staatskapelle Dresden, die er als Residenzorchester mitbrachte, verfügen über Kompetenz für die Opernpremiere im Zentrum des rund einwöchigen Festivals. Seit 2015 stand Thielemann dabei Peter Ruzicka als Intendant gegenüber. Dieser gilt freilich als Vertrauter des gestaltungsfreudigen Stars und dürfte dessen Plänen kaum einen Stein in den Weg gelegt haben.

Dirigent Christian Thielemann bei einer Probe zu "Die Meistersinger von Nürnberg" bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 im Großen Festspielhaus. - © APAweb / apa / Barbara Gindl
Dirigent Christian Thielemann bei einer Probe zu "Die Meistersinger von Nürnberg" bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 im Großen Festspielhaus. - © APAweb / apa / Barbara Gindl

Umso größer die Überraschung, als die Festspiel-Gremien – besetzt mit der Salzburger Politik, aber auch privaten Geldgebern – 2018 Bachler zum nächsten Intendanten kürten. Der gebürtige Steirer, derzeit Chef der Bayerischen Staatsoper, gilt ebenfalls als Charakterkopf mit Führungsanspruch. Ein Konflikt mit Thielemann schien programmiert – umso mehr, als keine Hierarchie zwischen den Männern festgelegt war: Thielemann sollte künstlerischer Leiter bleiben, Bachler 2020 als kaufmännischer Chef dazustoßen und 2022 zum Intendanten mit "künstlerischer Gesamtverantwortung" aufsteigen.

Die Konflikte ließen dann auch nicht auf sich warten. Noch im Vorjahr wurden Briefe publik, in denen Thielemann eine Zusammenarbeit mit Bachler ausschloss. Im Sommer krachten die beiden dann wegen der Programmplanung aneinander: Thielemann teilte Bachler seine Opernpläne für die Festivaljahrgänge 2022 und ’23 mit, der künftige Intendant antwortete ihm: "Das geht mit Ihrem Vertrag nicht, und das geht bei mir nicht." Der Dirigent bat in der Folge die Gremien um eine Klärung. Diese tagten am Dienstag – und machten in der Folge Thielemanns Abgang publik. Der Vertrag des Dirigenten werde nicht verlängert.

Eine Rundum-Erneuerung

Es ist nicht die einzige Neuigkeit, die Landeshauptmann Wilfried Haslauer in einer Pressemitteilung verlautete. Thielemann soll zu Ostern 2022 noch als "Abschiedsgruß" Wagners "Lohengrin" aufführen, danach werde das Festival unter Bachlers Leitung umgekrempelt. Auch danach sollen die Osterfestspiele rund eine Woche dauern, aber um einige Sparten erweitert werden. Wie die APA berichtet, soll künftig auch Ballett- und Jazz-Freunden etwas geboten werden – und alljährlich ein anderes Orchester sein Kernrepertoire zum Besten geben.

Ein Reformpaket, das jedenfalls den Aufsichtsrat begeistert. Dies "ebnet den Weg für ein neues Kapitel dieses renommierten Festivals", wird die Vorsitzende des Aufsichtsrats, Sarah Wedl-Wilson, in der Presseaussendung zitiert. Deshalb habe man sich auch einstimmig dafür entschieden, Bachler "ab dem Jahr 2022 als künstlerischen Gesamtleiter zu bestätigen und ihn mit der Neuausrichtung zu beauftragen".