Der Höhepunkt gleich zu Beginn: Die Geburtstagsfanfare "Imogen & Posthumus" von Matthias Werner, die von der Jeunesse zu ihrem 70-Jahr-Jubiläum bei der Formation Federspiel in Auftrag gegeben und am Donnerstag bei einem Festkonzert im Musikverein uraufgeführt wurde, ist ein Volltreffer, vor allem auf energetischer Ebene. Antonia Grüner, künstlerische Leiterin der Jeunesse Österreich, verwendete in ihrer Rede die Begriffe "mitreißend" und "inspirierend". Vergangenheit möge auf Zukunft treffen, Geschichte Vision begegnen. Die sieben Musiker des Bläserensembles Federspiel verkörpern all das zu 100 Prozent. Nahtlos gesellte sich das Wiener Jeunesse Orchester unter Markus Poschner dazu und schloss en suite mit Beethovens dritter "Leonoren-Ouvertüre" an. Eine schöne Dramaturgie.

Mit Beethovens "Missa solemnis" unter Karl Böhm begann 1949 die Historie der musikalischen Jugend Österreichs, die heute der führende überregionale Konzertveranstalter des Landes ist. Festredner Thomas Angyan, Hausherr und selbst jahrelang Generalsekretär der Jeunesse, führte mit einem geschichtlichen Abriss die Wichtigkeit und Wirkung der Organisation, die als Friedensprojekt begann, vor Augen - sowohl was Musikvermittlung als auch Talenteförderung betrifft.

Erinnerungen an Bernstein

Beherzt und knackig ließ das Wiener Jeunesse Orchester die "Three Dance Episodes" aus dem Musical "On The Town" von Leonard Bernstein klingen, dem unvergleichlichen Musikanstifter. Jene, die einst im Wiener Jeunesse-Chor mit ihm probten, schwärmen heute noch. Zum Grande Finale schließlich Beethovens "Chorfantasie" mit einem souveränen Aaron Pilsan am Klavier und einem wohltönenden Chorus sine nomine samt dem Ensemble Neue Wiener Stimmen auf dem Orgelbalkon.