Samtig dunkel begannen die Wiener Philharmoniker ihre neue Konzertsaison im Musikverein. Tiefe Streicher und Fagotte eröffnen Jean Sibelius’ selten zu hörende Vierte Symphonie in a-Moll. Ein mächtiges Cello-Solo hebt an. Dieser schattige Klangteppich bleibt auch im weiteren Verlauf erhalten. Die Wirkung der harmonischen Abfolgen und Akkordgebilde ist stark, mit zunehmender Dauer drückt die Komposition aber gar schwer aufs Gemüt. Eine Hauptrolle in dieser Symphonie spielen die Klangstrukturen, zudem vereinzelte Bläsersoli. Ein Werk, bei dem das Orchester seine Stärken voll entfalten kann: ebenmäßiger Streicherklang, präzise Einheitlichkeit, charismatische Einzelleistungen.

Der Finne Sibelius vollendete seine Vierte Symphonie 1911, im Todesjahr Gustav Mahlers. Ein paar Jahre zuvor waren die beiden einander in Helsinki begegnet. Mahlers Vierte Symphonie hatten die Wiener Philharmoniker als zweiten Programmpunkt ausgewählt für das Erste Abonnementkonzert am vorigen Samstag. Das viersätzige Werk ist für Mahlers Verhältnisse klein besetzt; den Schlusssatz "Das himmlische Leben" bezeichnete der Komponist als die "sich ganz verjüngende Spitze". Makellos schön sang Christiane Karg dieses Vokalfinale vom Orgelbalkon. Hervorragend hatte das Orchester unter Daniel Harding die vorangegangenen Sätze gestaltet: Der englische Dirigent ging mit gewohnt klarer Zeichengebung und hoher Konzentration ans Werk. Einzig die emotionale Tiefe dieser grandiosen Musik wurde wohl aufgrund von Hardings Zurückhaltung nicht vollkommen ausgeschöpft.