Wenn Philippe Jordan die neue Saison mit den Wiener Symphonikern eröffnet, heißt es: En garde! Die Musiker stehen Hab-Acht, das Publikum findet sich in freudiger Erwartung des Jordanschen Entertainments und bekommt in Brahms’ Erster Symphonie auch einiges davon geboten. Zu hören sind Ausgestaltungen nach Art impressionistischer Landschaftsgärten, ein satter Klang vonseiten eines homogenen Orchesters, ein schön geführtes Solo - stark und doch zart - der neuen Konzertmeisterin Sophie Heinrich sowie tadellos feinsinnige Blechbläser.

Jordan schlägt sein übliches flottes Tempo an und verbindet die einzelnen Passagen gut miteinander, gibt den Musikern hie und da Raum und Zeit, die Themen auszukosten. Im Finale viel Dringlichkeit, die von ruhenden Bläsern abgelöst und schließlich vom gesamten Orchester wieder aufgefangen wird, das sogleich noch feuriger, von Jordan angespornt, dem Ende entgegengaloppiert.

Kleinteilige Zweite

Etwas schwieriger gestaltet sich Brahms’ Zweite Symphonie, in der die Kleinteiligkeit der Form überhand zu nehmen droht, der Blick fürs große Ganze stellenweise verloren geht. Zwar findet man auch hier ein poetisch gezeichnetes Thema und klare Formulierungen. Nur wenn es um breitflächige und aufbauende Gestaltung geht, ist man geneigt zu denken, dass es mehr brauchen würde als nur Schwung.