Der Tod hat in der Kunstgeschichte viele Gesichter erhalten: Sie reichen von der barmherzigen Gestalt bis zum Reitersmann inmitten einer tobenden Schlacht. Christian Gerhaher brachte im Konzerthaus etliche Spielarten zum Ausdruck, präsentierte Auszüge aus den "Purcell Realizations" von Benjamin Britten, dessen "Songs and Proverbs of William Blake", "Lieder und Tänze des Todes" von Modest Mussorgski sowie Lieder von Johannes Brahms.

Das idente Programm spielten der Sänger und sein angestammter Partner am Klavier Gerold Huber bereits im Sommer in Salzburg. Nun wurde damit der Lied-Zyklus im Mozart-Saal eröffnet. Leicht zu nehmen war diese Auswahl freilich nicht; bei einem Interpreten wie Gerhaher lohnt die Beschäftigung jedoch zu 100 Prozent. Der deutsche Bariton ist in der außergewöhnlichen Lage, düstere Texte mit einer Stimme vorzutragen, die erst aufwühlt und einen Wimpernschlag später tröstende Linderung mit balsamischem Klang bringt. Wie etwa in Brahms’ Mörike-Vertonung "An eine Äolsharfe" - dem wohl schönsten Lied des Abends. Gerhahers Stimmführung und Tonerzeugung sind beispielhaft. Allein die große Sorgfalt bei der Gestaltung der Schlusssilben. Hochkonzentriert die Diktion, gleich ob auf Englisch, Russisch oder Deutsch. Gerhold Huber am Klavier sorgte für das jeweilige Ambiente und stimmige Tempi. Generell elegant zurückgenommen, im richtigen Moment klanglich hervortretend und stets tief verbunden mit dem Sänger, einer unverwüstlichen Basisstation gleich.