Wenn Christian Thielemann am Dirigentenpult der Wiener Philharmoniker steht, ist meist großes Kino angesagt. Keinem anderen Dirigenten folgt das bisweilen recht bockige Orchester so bereitwillig wie dem preußischen Klangmeister. Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit: Vor keinem Orchester blickt Thielemann so entspannt drein, und im Gegensatz zu anderen Thielemannschen regelmäßigen Arbeitsstätten ist nicht einmal ein geflüstertes Wort der Verstimmung zu vernehmen.

In Bruckners Achter Symphonie dirigierte Thielemann das Orchester mit minimalen Bewegungen; für die Einsätze sorgen die Musiker selber. Das tut Bruckner prinzipiell gut, zumal Thielemann eher ein Mann für magische Momente denn die bei Bruckner gefragte lange Linie ist. Wenn die groß angelegte Struktur nicht erfühlbar ist, kann man schnell verstehen, warum Eduard Hanslick nach der Premiere im Musikverein vor 127 Jahren von einem "traumverwirrten Katzenjammerstyl" schrieb. Schön zu hören war hier der satte, kräftige Ton der Philharmoniker, gleichwohl er eine gewisse Grundunruhe im ersten Satz nicht verdecken konnte. Geschmeidige und flexible Phrasierungen beglückten im Scherzo, bevor im Adagio - in jeder Hinsicht der Höhepunkt der Symphonie und des Konzerts - die ganze Spannung zu Tage kam: ein Kraftidyll, in zarten, herbstlich warmen Farbtönen vorgetragen, langsam und stetig von langer Hand gesteuert. Wenn nur der Finalsatz ähnliche Ruhe und Klarheit besessen hätte, es wäre ein Brucknerfest geworden, nicht nur ein sehr feines Konzerterlebnis.