"Life" lautet der schlichte Titel des Albums von Igor Levit; die Werke daraus präsentierte er am Mittwochabend im Wiener Musikverein. Ein eher ausgefallenes Programm, wie es auch der Interpret ist. Expressiv rollen die Noten in Bachs Chaconne aus der Partita d-Moll, als würden sie von einer Kette abperlen. Besonderheit dieses Stück: Hier spielt nur die linke Hand. Levit baut dabei allerdings mindestens genau so viel Spannung auf wie mit zwei. Spannung, die auch bestehen bleibt, wenn er sich zurücknimmt.

In Busonis "Fantasia" nach Bach darf sich dann auch die bisher nur dirigierende rechte Hand zum Spiel gesellen, um die Sogwirkung auf die Zuhörer in diese düstere Traumwelt zu verstärken. Man findet sich in dunkleren Sphären wieder, ein Schwebezustand stellt sich ein: Klänge, die sich verdichten und Levit fließend in Schumanns "Thema und Variationen" übergehen lässt. Eine gewisse Lieblichkeit, die wohl seinem runden Klang geschuldet ist, bleibt seinem Spiel stets erhalten.

Mächtige Intensität

Er schafft es dabei aber, mächtige Intensität zu versprühen: mitunter abrupt, mitunter sukzessiv aufgebaut. In Liszts "Feierlichem Marsch zum heiligen Gral" (nach Wagners "Parsifal") oder in seiner Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam", wo er Akkorde wie Salven abfeuert. Manchmal trifft er dabei auch daneben, wodurch bei den Läufen ein leicht überhudelter Eindruck entsteht. Diesen reiht man aber gerne weit hinter die wohltuende Gesamtwirkung dieses eindringlichen Konzerts.