Igor Strawinskis Ballett "Le Sacre du printemps" kann zu den Marksteinen der Musikgeschichte gezählt werden. Heute noch, über hundert Jahre nach der Skandal-Uraufführung in Paris, lässt sich eine gewisse Aufregung im Publikum ausmachen, wenn das "Frühlingsopfer" auf angekündigt ist. Die Wiener Symphoniker traten dieser Tage im Konzerthaus an unter der Leitung ihres Noch-Chefdirigenten Philippe Jordan (er wird ab 2020 Musikdirektor an der Wiener Staatsoper) an. Der designierte Nachfolger Andrés Orozco-Estrada leitet das Werk am Pult der Wiener Philharmoniker übrigens - ebenfalls im Konzerthaus - heute Abend.

Den Symphonikern gelang am Samstag eine sehr gute Wiedergabe, die beim Publikum großen Zuspruch fand. Den stärksten Eindruck hinterließ die mit Souveränität, Präzision und Selbstbewusstsein geführte Pauke. Inspiriert das Fagott-Solo zu Beginn. Jordan punktete mit seinen gewohnt ausladend schneidigen Bewegungen auf der perkussiven Ebene der Komposition und in dramaturgischer Hinsicht.

Den Anforderungen, die Johannes Brahms an den Solisten in seinem Ersten Klavierkonzert stellt, ist Yefim Bronfman mühelos gewachsen. Der Pianist besitzt sowohl kraftvolles Tastenberserkertum als auch die Tugend, elfenzarte Tonperlen zaubern zu können. Eine ideale Kombination für den großartigen Wurf des jungen Brahms. Eng angeschmiegt ans Klavier die gut disponierten Streicher und das Horn. Eine schöne Zusammenarbeit.