"Atemberaubend", "grenzenlose Virtuosität" oder "Wirbelwind" sind nur einige der Zuschreibungen, die Yuja Wang attestiert werden. Dass die 32-jährige Chinesin auch heitere Entertainer-Qualitäten besitzt, zeigte sie kürzlich in ihrem Auftritt als Comedian an der Seite von Igudesman & Joo in New York, bei dem sie Virtuosität und Witz vereinte.

Letzteren ließ sie im Konzerthaus zwar unter den Tisch fallen - ja, sie wirkte fast ein wenig geknickt. Technik und Trara gab es dennoch. Allerdings stimmungsvoller als vielleicht gedacht. In Rachmaninows Drittem Klavierkonzert setzt sie aus den rund rollenden Läufen heraus Akzente, die den technischen Passagen nicht nur Virtuosität, sondern auch musikalische Form geben. Dennoch wird dabei die Luft zum Atmen für die Noten manchmal knapp, nämlich wenn sich auch der Klang der Wiener Philharmoniker in hohem Tempo dicht drängt. Interessanterweise bekommt das Stück so trotz aller Rasanz Schwere verliehen.

In Strawinskis "Sacre du printemps" fährt das Orchester unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada dann alle Klanggeschütze auf, die das Werk erfordert - und überhaupt erst ermöglicht. Wild zuckende Blitze, scharfkantige Formen, komplexe Strukturen. Darüber jedoch wiegen sich liebliche Linien. So mag man sich den Frühling auf Russisch gerne vorstellen. Dann wieder über weite Strecken ein majestätisches Dahintraben, dem an diesem Abend manchmal allerdings die Feinheiten, die Strawinski ja trotz aller Intensität durchaus zulässt, abhandenkommen.