Es kommt nicht oft vor, dass sich eine Hommage mit dem aktuellen Schaffen eines Künstlers befasst. Der 93-jährige Komponist Friedrich Cerha strotzt jedoch noch heute vor Produktivität, und so führte der Montagabend im Gläsernen Saal des Musikvereins durch neuere Kammermusik des vitalen Wiener Weißschopfs und schüttelte zwei Novitäten aus dem Ärmel.

Fassliches und Fitzeliges

Cerha ist lange genug Meisterkomponist, um eine Marotte gewisser Kollegen zu vermeiden: das Klangbild so voll mit Noten zu stopfen, dass das Ohr beim Kennenlernen keinen Halt findet. Cerha legt Wert auf Durchhörbarkeit, opfert ihr aber nicht den Anspruch: Er rollt dem Publikum als roten Teppich gern einen Melodiebogen aus, verdichtet das Treiben aber in der Folge fitzelig. Dieses Gestöber kann unverhofft in ein knappes Unisono umschlagen: ein Gag, der wirkt.

Richtig heiter wird’s in den "21 Naseweisen Notizen für Klavier", von denen Janna Polyzoides fünf zur Uraufführung bringt: Peckende Staccato-Akkorde schildern eine "spitzfindige Tante"; zwei Stimmen, die wie ein Augenpaar durch räumliche Weiten gleiten, veranschaulichen den "Blick in den nächtlichen Himmel": So schön kann nichttonale Musik sein. Zuletzt ein Trio für Cello, Klarinette und den vermeintlichen Fremdkörper Posaune, die sich durch Dämpfer gut ins Klangbild schmiegt und im zweiten Satz ein hübsches Bläserduo mitträgt - während das Cello als skurriler Störenfried auftritt. Am Ende Ovationen für Michael Polyzoides, Andreas Schablas und Walter Voglmayr sowie den nimmermüden Tonsetzer.