Rein gefühlsmäßig werden das wohl gute Jahre werden, denn die Chemie scheint zu stimmen. Warm und herzlich war die Resonanz auf Marin Alsops Antrittskonzert als Chefdirigentin des RSO Wien am Donnerstag im Wiener Konzerthaus.

Das erste Werk hätte nicht besser gewählt sein können: "Rapture" (auf Deutsch "Verzückung", "Begeisterung") des kürzlich verstorbenen Christopher Rouse erinnert an einen frischen Frühlingsmorgen – den vielversprechenden Beginn von etwas Aufregendem, Großem. Außerdem traten Alsops Fähigkeiten als Orchesterleiterin schön zu Tage: Leidenschaft, Übersicht, konzentrierte Spannung und eine handfeste Präsenz im Hier und Jetzt.

Nach den Begrüßungsworten der US-Amerikanerin stellte die jüngst nach Wien gezogene Lera Auerbach persönlich ihre zur Uraufführung gelangende Komposition "Evas Klage" vor: eine betont sphärische Arbeit, die mit einem Händchen für Instrumentation gekonnt Vergangenes (Henry Purcell) mit Neuem verwebt. Dann zwei Werke von Paul Hindemith: die bekannte Symphonie "Mathis der Maler" und der Operneinakter "Sancta Susanna", eine echte Rarität, in einer halbszenischen Aufführung. Abgesehen vom Seltenheitswert und der profunden Darbietung dieses hochdramatischen, ekstatischen halbstündigen Stücks erschloss sich dessen Platzierung allerdings nicht zwingend. Eine vielversprechende Zusammenarbeit hat jedenfalls begonnen. Das engagierte Miteinander von Dirigentin und gut disponiertem Orchester war bis in die hinteren Saalreihen spürbar.