Es ist nichts Neues, dass die kleinen Fische des Klassikbetriebs im Tonstudio selbstfür ihre Aufnahmen zahlen. Alarmierend aber, dass es ihnen mittlerweile manche große gleichtun. Die "Süddeutsche Zeitung" hat jüngst den Zustand des Plattenmarktes erhoben und dafür auch den Sänger Daniel Behle befragt. Der erklärte, all seine Alben seit dem Jahr 2008 auf eigene Rechnung herausgebracht zu haben. Das Geld für seine neue Scheibe hat der gefeierte Tenor mit Crowdfunding zusammengestottert und auf einige Gagen verzichtet. Dabei veröffentlicht Behle nicht bei irgendeinem Label, sondern bei Sony Classical, einer der letzten verbliebenen Größen im Geschäft. Er ist dennoch "froh" über das prominente Logo auf seinen CDs: unter düsteren Marktbedingungen immer noch ein Privileg.

Als Klassikfan verspürt man da Bauchweh - aber auch Freude, dass Alben wie Behles "MoZart" überhaupt noch entstehen. Zwar ist der Kalauer im Titel nicht gerade taufrisch und die Arienauswahl recht konventionell. Dennoch hat der Deutsche sein Geld gut angelegt: Die CD weist ihn als lyrischen Tenor von hohen Gnaden aus.

Das belegt schon die erste Arie, "Dalla sua pace". Auf der Opernbühne ist sie das Glanzstück von Don Ottavio. Der gilt im "Don Giovanni" nicht von ungefähr als Langweiler: Während der Titelschurke längst bei seiner geliebten Donna Anna zugeschlagen hat, sinniert Ottavio über die Lauterkeit seiner Gefühle - ein blasser Schöngeist. Um ihm Farbe zu verleihen, ist eine Stimme von höchster Sinnlichkeit vonnöten. Behle hat sie. Sein Timbre besitzt die Süße von flüssigem Karamell, sein Legato die Schwerelosigkeit eines flockigen Sommerwölkchens. Auch einen Schuss Heldenschmelz, also Töne von erhöhter Inbrunst, lässt er aufblitzen: Sie entsteigen Behle in der Arie "Il mio tesoro intanto" schier mühelos. Dank dieser Tugenden begeistern auch Ausflüge in andere Mozart-Opern: Die Arie vom "bezaubernd schönen" Bildnis ("Die Zauberflöte") gestaltet sich ebenso, und in den Legatobögen von "Un’ aura amorosa" ("Così fan tutte") klingt Behles Stimme fast schon nach einer überirdischen Quelle des Wohlklangs. Die Begleiter tragen ihn dabei auf Händen: Dirigentin Michi Gaigg und das L’Orfeo Barockorchester legen die Arienauswahl zügig, doch flaumig an und mit viel Liebe für aufblühende Holzbläser-Soli. Kurz: ein Wellness-Tempel für die Ohren.

Daniel Behle, L’Orfeo Barock- Orchester MoZart - Zero to Hero (Sony Classical)
Daniel Behle, L’Orfeo Barock- Orchester MoZart - Zero to Hero (Sony Classical)

Das gilt fast ebenso für die Scheibe des Trio Partout. Auch sie hat eine ungewöhnliche Genese hinter sich, entstanden die Aufnahmen doch schon 2009. Schön, dass sie es noch auf Tonträger geschafft haben: Das heimische Trio ist in der exotischen Besetzung Viola, Flöte und Harfe tätig, klingt aber keineswegs picksüß. Das erweist sich schon in der Sonate von Claude Debussy mit ihrem mysteriösen Farbenzauber; aber auch in einem impressionistischen Traumstück des Briten Arnold Bax und einem Viersätzer des deutschen Hindemith-Schülers Harald Genzmer mit seiner reizvoll aufgerauten Tonalität. Kein Kitsch weit und breit, schon gar nicht in der "Sydenham Music" des Österreichers Johannes Maria Staud (2007), einer Art düsterem Echo auf die Debussy-Sonate.