Natürlich lässt sich Eigenwerbung auch energischer betreiben. Eine gewisse Neigung zur Ironie hindert Klemens Lendl, Sänger und Geiger des Wienerlied-Duos Die Strottern, jedoch daran. Am Silvesterabend, so kündigte der Mann mit der launigen Stimme am Montag an, werde es im Konzerthaus wieder ähnliche Töne setzen, erneut mit etlichen Trauermärschen. Also: "Party, Party, Party!"

Sollte sich der Jahresausklang ähnlich gestalten wie der Auftritt diese Woche, ist dennoch für Heiterkeit gesorgt. Schließlich muss eine Mollmelodie nicht bis zur letzten Note bierernst tönen - jedenfalls nicht, wenn die Strottern sich die Bühne mit den Osttiroler Musikern von Franui teilen. Seit Jahresbeginn ziehen die beiden Gruppen mit einem Programm durch die Lande, das gemeinsame Vorlieben vereint: Gratwanderungen zwischen Kunst- und Volksmusik im Allgemeinen, eine Liebe zu Franz Schubert im Besonderen. "Franzensfeste" heißt der Abend, der die Kompetenzen beider Bands bündelt: Schubert erschallt im typischen Franui-Sound mit Dorffestbläsern und schrägen Beigaben, Lendls Sprechgesang pendelt zwischen Schmäh und Poesie, flankiert von der Begleitstimme seines Kompagnons David Müller. Emotional schlingert man dabei so gern zwischen Licht und Schatten wie Schubert zwischen Dur und Moll: Die Melancholie des "Wanderers" prallt auf eine Ode an den "Frohsinn", "Der Tod und das Mädchen" auf einen Erlebnisbericht vom Fensterln (jedoch von Joseph Lanner). Erstaunlich: Gerade Lendls hagerer Klang verleiht den Liedern kraftvolle Direktheit.

Die stärksten Zugnummern stammen aber nicht von Schubert: Neben dem Strottern-Hit "U1", einer putzigen Fast-Liebesgeschichte aus dem Silberpfeil, ist es "De gaunze Wöd hoid schdüü", eine Coverversion der Tom-Waits-Ballade "All The World Is Green", herzerweichend gesungen und von Franui am Ende wie ein Marsch in Bsuff-Dur gespielt. Apropos: An der Silvestergala wirken zudem Marlis Petersen und Nikolaus Habjan mit.