Schwanger sein ist ein Zustand, der die Betroffene schon mal das Fürchten lehren kann - den Eindruck gewinnt man jedenfalls beim Anhören von "Sweet Dreams", einer Komposition, in der sich Mirela Ivičević musikalisch mit ihrer Schwangerschaft auseinandersetzt. Die Wahlwienerin erhielt für das Ensemblewerk, das am Mittwoch im Rahmen von Wien Modern uraufgeführt wurde, den diesjährigen Kompositionspreis der Erste Bank.

Dass eine Schwangerschaft eine zumindest turbulente Zeit ist, suggerieren die rasanten Skalen sowie die spannungsreichen und mitunter unheimlichen Klangeffekte, die die Komponistin geschickt einsetzt. Die an ein Uhrwerk erinnernden rhythmischen Patterns dürften den Herzschlag symbolisieren, während die abrupten Wechsel zwischen bewegten und statischen Passagen die Abfolge von Wach- und Schlafphasen andeuten mögen. Wiewohl durch das Thema erklärbar, wirkten die Brüche aus musikalischer Perspektive etwas unmotiviert und erschwerten den Nachvollzug einer übergeordneten Dramaturgie.

Weitere Ur- und Erstaufführungen fesselten an diesem langen Abend mit dem Klangforum Wien unter Dirigent Bas Wiegers die Aufmerksamkeit des Publikums: Während Rebecca Saunders in "Sole" die Synergien eines im Saal umherwandelnden Akkordeonisten mit Schlagzeug und Klavier erforscht, lässt Klaus Lang in seinem bejubelten Ensemblewerk "linea mundi" den Klang wie in Zeitlupe zum machtvollen Unisono anschwellen. Die Wiederaufführung von Raphaël Cendos Stück "Furia", in dem die Klänge von Cello und Klavier zu dynamischen Gemengen verschmelzen, erntete ebenfalls stürmischen Beifall im Mozart-Saal des Konzerthauses.