Dass Jörg Widmanns Konzertouvertüre "Con brio" tatsächlich einen Buhruf am Mittwoch im Musikverein auslöste, nimmt wunder. Entstanden und uraufgeführt vor mehr als zehn Jahren, zählt das Werk mittlerweile zu den "Klassikern" der zeitgenössischen Orchesterliteratur und fungiert gar nicht selten als Eröffnungsstück diverser Konzertprogramme. Widmanns Spiel mit Ludwig van Beethovens Duktus ist eine ebenso gekonnte wie anregende Angelegenheit und wurde von den Münchner Philharmonikern mit großem Tatendrang umgesetzt.

Im folgenden Violinkonzert in g-Moll von Max Bruch überzeugte Janine Jansen das Publikum mit einer attraktiven Mischung aus Bodenständigkeit und Feingefühl: nicht gedankenverloren entrückt, sondern ganz im Hier und Jetzt, mit blühenden Crescendi und satten Doppelgriffen. Das geschmeidige Orchester fungierte als gleichwertiger, starker Partner. In einem mucksmäuschenstillen Goldenen Saal bedankte sich die niederländische Geigerin schließlich mit Bach als Zugabe.

Gut 30 Jahre nach Max Bruchs Violinkonzert erlangte Jean Sibelius mit seiner Ersten Symphonie internationale Bekanntheit. Hoch sind die Erwartungen der Zuhörer und ebenso groß die Herausforderungen an die Musizierenden bei den Symphonien des Finnen, der auch in Wien studiert hat. Schön und ausgewogen gelangen den Münchner Philharmonikern unter der Leitung ihres Chefdirigenten Valery Gergiev die Übergänge zwischen den mitunter kargen Solostellen und den vollmundigen Tuttipassagen: ein gelungener Abend.