"Great Voices" - das sind bekannten Sänger mit günstigen Orchestern in populären Arien. Am Donnerstag mit Juan Diego Flórez im rappelvollen Konzerthaus, begleitet von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (durchweg hervorragend - manchmal etwas laut) unter Jader Bignamini.

Flórez’ Anziehungskraft ist leicht zu verstehen. Seine Stimme: stark, doch recht leichtgängig, durchweg angenehm. Er braucht weniger Druck als die meisten Kollegen. Der Schmelz ist da, wird aber nicht übertrieben. Dazu ist Flórez gertenschlank, freundlich, furchtbar elegant, und männlich. Hätte James Bond Arien gesungen und nicht Spione gejagt, nur Flórez käme für die Hauptrolle in Frage.

Vieles ist Rezept, das schon von Verdi stammt: Schlussphrasen laut ansingen; kurz pausieren; dann ein Quintensprung nach oben, laut und anhaltend. Jubel, Applaus und großes Händeschütteln auf der Bühne. Die Jacopo-Szene aus "I due Foscari" ist ein Paradebeispiel. Es wird das große Gefühl der Oper geboten, ohne die langen Wartenzeiten.

Nach Verdi gab es Schinken und Schmalz. "Dein ist mein ganzes Herz" und die #MeToo-Arie, ebenfalls Lehár, aus "Paganini": "Gern hab’ ich Frau’n geküsst / hab’ nie gefragt, ob es gestattet ist. . .". Man denkt an jemand anderen. Nach Französischem und Rodolfos "Che gelida manina" vom Feinsten kam die Gitarre heraus, und der Zugabenreigen begann. Mit leichtem, ungezwungenem Witz bezirzte Flórez das Publikum. Nach "Granada" und "Nessun dorma" stand der Große Saal endgültig Kopf.