Es handelt sich um eine Herzensangelegenheit: Seit Jahren widmen sich Semyon Bychkov und die Tschechische Philharmonie den Werken von Peter Iljitsch Tschaikowski. Das Ergebnis ist mittlerweile auf CD gebannt und wurde dieser Tage im Wiener Musikverein präsentiert. Bychkov, US-Amerikaner russischer Abstammung, ist seit vergangener Saison offiziell Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie und somit Nachfolger des verstorbenen Jiří Bělohlávek. Die Biografie des in Prag beheimateten Klangkörpers ist eng mit prominenten Komponistenpersönlichkeiten (Dvořák, Mahler), aber auch mit zeitgeschichtlichen Vorkommnissen verwoben. In der reichen Tradition und der besonderen Verbindung von Ost und West sah Bychkov den idealen Nährboden für Tschaikowskis Musik.

Die Begeisterung des Publikums war auch dementsprechend groß am Dienstag über das selbstbewusste und agile Orchester, das in glanzvollen Forte-Passagen seine Stärken am besten zum Ausdruck bringen konnte, allen voran die offensive Bläsergruppe. Engagiert: der auswendig dirigierende Bychkov. Die letzte Betroffenheit blieb aber doch aus bei der Sechsten Symphonie, der "Pathétique", Tschaikowskis Schwanengesang.

Vom Violinkonzert davor blieb primär der phänomenale Geigenklang des tadellosen, eleganten Renaud Capuçon im Gedächtnis. Hundert Prozent Geschmack, null Prozent Fett. Ein möglicher Werbeslogan für die Technik des Franzosen und die intensive Strahlkraft seiner behände beherrschten Guarneri del Gesù "Panette", die einst Isaac Stern gehörte.