Sie haben es wieder getan. Warum auch nicht? Vor gut einem Jahr zeigte sich das Publikum im Wiener Musikverein begeistert von der Idee, dass sich Instrumentalisten kurzerhand zu einem Chor formieren lassen und auf dem Podium etwas singen. Soeben stellte das Budapest Festival Orchestra seine Sangesfreudigkeit im Goldenen Saal erneut unter Beweis: bei Antonín Dvoráks Chorlied "Nepovím". Diese köstliche Rarität folgte auf die Erste der "Legenden" op. 59 und wurde vom genussvoll vorgetragenen Slawischen Tanz e-Moll abgelöst. Drei aromatische Amuse-Gueules als perfekte Einstimmung auf Ludwig van Beethoven Viertes Klavierkonzert.

Jede Phrase darin versuchte Solist András Schiff mit Sinn auszukleiden. Mit akkurater und kundiger Artikulation, mit herrlich gestalteten Basslinien. Dass Schiff ein bekennender Bösendorfer-Liebhaber ist, machte eine - auch medial ausgetragene - Auseinandersetzung mit der Schubertiade im Sommer deutlich. Über die Instrumentenwahl ließe sich diskutieren, denn der verwendete Flügel klang in der Höhe zwar durchdringend, aber hart. Die außerordentliche Größe des ungemein sensibel begleitenden Orchesters könnte man als Argument anführen. Herzerfrischend die Zugabe: "Die Beredsamkeit" von Joseph Haydn. Das Orchester wieder als Chor, Schiff in der Rolle des Begleiters. Nach der Pause eine herrliche musizierte Siebente Symphonie von Dvorák. Dirigent Iván Fischer weiß genau, wie man ansprechende Programme entwirft und diese dann auch in die Tat umsetzt.