Manche Menschen sind für die Bühne gemacht. Betreten sie die Szene, steigt die Aufmerksamkeit und die Atmosphäre verdichtet sich. Bryn Terfel ist so ein Künstler mit dem gewissen Etwas. Durch sein Erscheinen erhielt die "Tosca"-Aufführung an der Wiener Staatsoper am Samstag plötzlich eine zusätzliche Dimension. Der stimmlich souveräne Terfel als Baron Scarpia zählt unbestritten zur Kategorie "Opernerlebnis". Ein eiskalt berechnender Machtmensch, bei dem jeder Blick, jede Geste sitzt. Dass ihm gewaltsame Eroberung besser schmeckt als willige Hingabe, bezweifelte niemand. Derlei charismatischer Vorsprung ist schwer (bis kaum) wettzumachen.

Joseph Calleja hielt über weite Strecken gut mit. Vor allem im ersten Akt gefiel sein unbekümmertes selbstsicheres Auftreten als Mario Cavaradossi. Im Verlauf der Tragödie wirkte dieser Maler - trotz (oder gerade wegen) stetig strömender Stimmkraft - etwas eindimensional. Einen beachtlichen Erfolg konnte Evgenia Muraveva bei ihrem Hausdebüt verbuchen. Die russische Sopranistin war im vorletzten Sommer in Salzburg die Lisa in Tschaikowskys "Pique Dame" unter der Leitung von Mariss Jansons. Muravevas Stimme besitzt alles, was die Tessitura der Diva Floria Tosca verlangt. Eine hörbare Tiefe, eine satte Mittellage und eine schöne Höhe. Darstellerisch kann und wird die Sängerin hoffentlich noch nachrüsten. Durch das Orchester der Wiener Staatsoper, leidenschaftlich dirigiert von Marco Armiliato, trat die von Giacomo Puccini grandios komponierte Vielschichtigkeit der emotionalen Kontraste deutlich zutage.