Es hat sich viel getan in den letzten Jahren für den Dirigenten Jakub Hrusa. Plötzlich dirigiert er alle großen Orchester dieser Welt, dass er für den soeben unerwartet verstorbenen Mariss Jansons einspringt, rückt ihn am Podest gleich hinter ihn und bekommt rückblickend noch mehr Wirkungskraft.

Sprang für Mariss Jansons ein: Jakob Hrua. - © IMG Artists
Sprang für Mariss Jansons ein: Jakob Hrua. - © IMG Artists

Mit Dvoráks "Carneval" eröffnet der Tscheche den Abend mit heimatlichen Klängen, in denen er den Zirkusfaktor des Stücks betont. Der (beinahe unkontrollierte) Übermut, den er in das Werk legt, steht jedoch in schroffem Gegensatz zum darauffolgenden Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 von Tschaikowski. Hier gibt das Orchester zunächst nicht zu viel Lamentables, ebenso wenig Denis Matsuev, der Mann an den Tasten. So sehr das dem Werk zuträglich sein könnte, so wenig schafft Hrusa es aber, daraus einen Mehrwert zu gewinnen. Denn musikalisch gesehen ist hier recht wenig los. Matsuev, so sehr er körpersprachlich agiert, so wenig füllt die Emotion auch seine Interpretation. Man kann ihm zugutehalten, dass er nicht zu viel will, dass er der Verleitung zum Überschwang, die das Werk ja bietet, standhält. Doch er streicht es allzu sehr in Einheitsfarben. Da ist viel Legato und relativ wenig Nuance, er setzt nur bedingt Kontraste zum Orchester, das in der Dynamik viel lebendiger ist.

Dieser Bereitschaft zur Lebhaftigkeit kommt Bartóks Konzert für Orchester (SZ 116) dann mehr entgegen. Das Schwunghafte, das man eben noch vermisst hat, wird hier zumindest im Ansatz erkennbar, vor allem die Bläser, besonders die Holzbläser, hauchen dem Stück den poetisch-schmachtenden Ton ein, den die Folklore-Elemente brauchen. Gesamt gesehen aber kommt man auch hier nicht aus der Kategorie Fadesse auf hohem Niveau.