Ein Besuch von Thomas Hengelbrock und seinem Balthasar-Neumann-Ensemble ist an sich schon ein Ereignis. Kommen die Originalklangexpertinnen und Experten in der Adventzeit, ist Festtagsstimmung programmiert. Im Konzerthaus führten sie vor, wie Weihnachten in der spätromantischen Welt geklungen haben mag, mit hierzulande weitgehend unbekannten Klängen.

In den orthodoxen Osten führten Hymnen von César Cui und Pawel Tschesnokow. Mit slawischer Schwermut würdigte der Dirigent die Geburt Christi, aber auch mit französischer Leichtigkeit: Camille Saint-Saëns’ Weihnachtsoratorium "Oratorio de Noël" von 1858 gehört zu den Perlen der Vokalwelt. Motivisch innig und in aller gebotenen Kürze erzeugten der Chor und die Soli eine wohlige Gänsehaut im Saal: Agnes Kovacs’ Sopran überzeugte dank präziser Stimmführung, hervorragend (auch im Diskantbereich) die beiden Mezzosoprane Roxana Constantinescu und Annelie-Sophie Müller.

Zudem erklang der ausdrucksstarke Tenor von Linard Vrielink erstmals im Konzerthaus, souverän der Bariton von André Morsch. Bewegte sich das Terzett "Tecum principium" gerade noch in ätherischen Höhen, kehrten Chor und Solistenquintett zuletzt in die pastorale Schlichtheit des Beginns zurück: Beifall.