Im Grunde lässt sich der Auftritt von Grigory Sokolov nicht beschreiben. Wie soll man diesen Zauber, diese Emotionalität, die der russische Pianist zu kreieren vermag, in Worte kleiden? Dass die Texte über seine Konzerte große Ähnlichkeiten aufweisen, verwundert nicht. Die außergewöhnliche Meisterschaft des Grigory Sokolov ist unbestritten. Und doch verblüfft er sein Publikum immer wieder. Vorrangig mit seiner grandiosen Klangpalette und der wunderbaren Fähigkeit die Seele zum Schwingen zu bringen durch die von ihm wiedergegebenen Werke.

Die Frage, wie er, ein vollkommen uneitler Diener der Musik, das bloß mache, war wohl die meistgestellte nach seinem Rezital im Wiener Konzerthaus am Donnerstag. Technik scheint für diesen souveränen Instrumentalisten keine Dimension zu sein. Jede pianistische Zurschaustellung ist Sokolov fremd. Im fast vollkommen abgedunkelten Saal versank das Publikum richtiggehend in der Musik und trat eine Reise an zu ganz tiefen inneren Schichten.

Wo hörten Johannes Brahms’ Klavierstücke op. 118 auf, wo fingen jene von Opus 119 an? Famos austariert, klug gestaltet und dabei stets verständlich präsentiert, klangen diese Meisterwerke der Romantik zum Teil völlig neu.

Sokolovs Mozart war von einem herrlichen Puls durchzogen, wirkte ganz natürlich und nie gekünstelt. Welch’ seltener Genuss, das finale Rondo "Alla Turca" der A-Dur-Sonate frei von jeglichem artistischen Tand zu hören. Manche Konzertabende sind einfach ein Geschenk.