Man kann Brahms entschlacken. Man soll Brahms auch entschlacken und im Idealfall noch ein wenig entschleunigen. Denn dann tritt die Klarheit zutage, die sonst gerne einem undifferenzierten Gesamtklang zum Opfer fällt.

Expressiv steigt Pianist Igor Levit in Brahms’ Zweites Klavierkonzert ein und testet den Steinway auf Zartheit und Expressivität. Sein unaufgeregter geradliniger Zugang schmeichelt dem Werk, das ohnehin genug Schmalzpotenzial hätte. Insofern kann man, auch wenn man dafür wenig übrighat, erleichtert durchatmen. Denn unter Paavo Järvi dringt das Pathos nur vereinzelt durch in diesem Klavierkonzert, das weniger fürs Brillieren denn für den Gesamtklang komponiert ist.

Igor Levit meidet bei Brahms‘ das Pathos. - © Robbie Lawrence
Igor Levit meidet bei Brahms‘ das Pathos. - © Robbie Lawrence

Gerade dieser bleibt bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen allerdings auf der Strecke, das Ensemble besticht vor allem durch schöne Einzelelemente. Ein wunderbares Cello-Solo im dritten Satz, ein bodenständiger Levit, der auch verspielte Elemente einbringt, wo das Orchester, vor allem die Geigen, abzuheben drohen. Dass in manchen Übergängen Bruchstellen erkennbar werden, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass Järvi antreibt, wenn man dem Stück noch mehr Zeit gönnen könnte.

Auch in Haydns Symphonie "Mit dem Paukenwirbel" bestechen die Streicher weniger durch Klangschönheit als durch Agilität, mit der sie schon den ersten Satz prägen, in dem sie dem Tänzerischen viel Schwere verleihen. Im selben Ton geht es weiter - unterbrochen von einem eher zweifelhaften Solo des Konzertmeisters. Es ist ein Tanz, ja, aber ein Tanz mit Marmorschuhen. Warum nicht?