Schön ist es, das Ballett-Divertimento "Der Kuss der Fee" gehört zu haben. Selten wird diese Musik gespielt, die sich nicht sicher ist, ob sie Tschaikowski-im-Strawinskimantel oder Strawinski-im-Tschaikowskimantel sein soll. In ihrer adretten Plätscherei war "Le baiser de la fée" 15 Jahre nach Strawinskis Überrumpelung der Musikwelt mit seinem Frühlingsopfer fast wieder radikal. Leider nur fast.

Bei Beethovens fünftem Klavierkonzert weiß man immerhin, was man hat. Gekonnt und formschön spielt Rudolf Buchbinder Beethoven und immer wieder Beethoven, zu geschmeidig, groß und satt auftragenden, Riccardo-Muti-gesteuerten Philharmonikern. Davon kann man nicht genug bekommen. Oder? Wilhelm Backhaus klagte dem jungen Buchbinder einmal sein Leid, er würde nur noch für Beethoven - maximal Brahms - angefragt werden. Ob Buchbinder das Gleiche widerfahren ist? Falls Ihnen gedroht wird, Herr Buchbinder, falls Sie irgendjemand zwingt, blinzeln Sie bei der nächsten Beethovenkadenz dreimal mit den Augen. Wir retten Sie! Derweil tosender Applaus für Wiens Lieblingstastenleu und Muti, der den zweiten Satz neu anfangen ließ, mangels Ruhe im Saal.

Zum Schluss großes Spektakel mit Respighis "Pini di Roma": Dank gefühlt zwei Dutzend Flügelhörner hinten auf dem Balkon, war das eine riesige stereophone, trommelfellkitzelnde musikalische Sause! Das war es wert darauf gewartet zu haben, bis sich bei Muti erst einmal die glorreichen römischen Legionen würdevoll um den Gianicolo-Hügel auf die Via Appia geschleppt hatten.