40 Jahre ist es mittlerweile her, dass Ton Koopman das Amsterdam Baroque Orchestra gegründet hat. 1992 rief der Musiker den dazugehörigen Chor, den Amsterdam Baroque Choir, ins Leben. Der Niederländer selbst feierte diesen Herbst seinen 75. Geburtstag. Koopman hat sich als Organist, Cembalist, Musikwissenschafter, insbesondere als Bach- und Buxtehude-Forscher, einen Namen gemacht. Leidenschaftlich wie eh und je geht Ton Koopman mit den Seinen ans Werk.

Im Konzerthaus präsentierten die gern gesehenen Gäste aus Holland Johann Sebastian Bachs "Weihnachtsoratorium" BWV 248 verteilt auf zwei Aufführungen. Das Konzert am Mittwoch begann mit der Ouverture Nr. 3 D-Dur BWV 1068, jener Orchestersuite, der die berühmte "Air" entstammt. Beim Amsterdam Baroque Orchestra klang dieser Satz luftig und dicht zugleich. Kernig, aber nicht süß. Durch die von
Koopman gut gewählten, flüssigen Tempi verging die Zeit wie im Flug, bot aber kontemplativ intensives Musikerleben der Teile IV bis VI aus dem "Weihnachtsoratorium". Aus den Reihen der Instrumentalisten seien die Konzertmeisterin und der Paukist erwähnt. Von den Solisten tat sich Tenor Tilman Lichdi mit seiner expressiven Darbietung hervor, neben dem warmen Bass des Klaus Mertens.

Ton Koopman gilt als ein Erzengel der Bach-Interpretation.
Ton Koopman gilt als ein Erzengel der Bach-Interpretation.

Die wahren Hauptakteure waren hinter dem Orchester zu finden. Die insgesamt zwanzig Damen und Herren des Amsterdam Baroque Choir, die wie mit einer Stimme sangen. Wendig, textdeutlich, herrlich flexibel und klanglich ausgewogen. Zum Herzstück des Abends wurde der Choral "Ich steh an deiner Krippen hier" der Schlusskantate. Zart, innig, berührend. Einfach schön.