Während der letzten Vollmondnacht des Jahres war im Wiener Konzerthaus für opulentes Programm gesorgt: Das London Philharmonic Orchester gastierte am Donnerstag mit Schostakowitschs Elfter Symphonie "Das Jahr 1905" sowie mit Tschaikowskis Erstem Klavierkonzert. In dem romantischen Werk machte Hausdebütantin Beatrice Rana solistisch gute Figur und legte sehr viel Energie in das Eröffnungs-Maestoso. Einen überschwänglichen Tonfall blieben die Londoner unter Maestro Vladimir Jurowski allerdings schuldig.

Für dramatische Größe war dann die zweite Konzerthälfte zuständig. So plakativ Schostakowitsch in seiner Symphonie die Erschießung demonstrierender Arbeiter vor dem Zarenpalast im Vorhof der Oktoberrevolution schildert, so mitreißend legten Jurowski und das London Philharmonic Orchestra das Werk an. Dramatischer Aufruhr, ausbrechende Gewalten, atemlose Stille: Jeder Takt hielt das Publikum in Bann. Welche Urkräfte im Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden gegeneinander wirken können, machte das finale "Sturmgeläut" deutlich.

Jubel für die Interpreten, die - so der Dirigent vor Beginn der Darbietung in berührenden Worten - diese Interpretation ihrem jüngst verstorbenen, musikalischen Wegbegleiter Mariss Jansons widmeten.