Es sollte zum vorweihnachtlichen Wienprogramm gehören wie der Christkindlmarkt nebenan, den der Kenner inzwischen ohnehin meidet: Händels "Messiah" im Musikverein. Denn abseits des glühweinumwolkten Trubels am Karlsplatz und ganz im Gegensatz zu den Karussellklängen, dem Ponyreiten (oder waren es Ziegen?) und dem "hausgemachten" Punsch verbreitet der "Messias" tatsächlich so etwas wie Weihnachtsstimmung.

Es spielt die Lautten Compagney Berlin, ein wunderbares Barockensemble, das unter Erwin Ortner eine solide Basis bildet für die Solisten des Abends: Julia Lezhnevas kernige und glanzvolle Stimme, die sich zart und eindringlich ans Ohr schmiegt und selbst in den leisen Höhen noch solide klingt, der (etwas zarte) Countertenor Raffaele Pe, Tenor Benjamin Hulett, der mit warmem Timbre lockt, und der schneidige Bass Florian Boesch: Alle begeistern sie, indem sie die in diesem Oratorium zahlreichen Koloraturen problemlos meistern und sich auch von ihrer feinfühligen Seite zeigen. Daneben der Arnold Schönberg Chor, ebenfalls hinreißend: Das berühmte "Hallelujah" erklingt unter Ortner streichelweich und rund. Und wenn die Trompete zu ihrem nicht enden wollenden Soloteil anhebt, möchte man alles herum vergessen, vor allem die Punschtouristen, an denen man sich nun wieder vorbeischieben muss. Das hat wohl auch das Publikum so gesehen, das sich jubelnd zu Standing Ovations hinreißen ließ. Rejoice!