Alle Jahre wieder. "Dinner For One" vor dem Fernseher, "Fledermaus" in der Oper, oder Beethovens "Neunte" im Konzerthaus: Das gutbürgerliche Wiener Traditionstriumvirat bevor es korkenknallend und raketenbestaunend in die Silvesternacht geht. Mag mancher mangelnde Abwechslung bemängeln, Tradition hat Wert an sich und verbindet. Nur gut gespielt und gesungen sollte es - in diesem Fall die Beethoven Neunte der Wiener Symphoniker - schon sein. War es leider nicht und darüber konnte der besondere Anlass nur bedingt hinweghelfen.

Gianandrea Nosedas Handschrift - in seiner schwungvoll-theatralisch verrichteten Dirigierarbeit zwar zu sehen, im Orchester aber nicht zu hören - konnte den Symphonikern keine Höchstleistung entlocken. Vom unmysteriös lauten Anfang über oft überforderte Holzbläser, grenzwertig zusammenspielende Streichergruppen und flotte aber nie packende  Tempi blieb das Gebotene mau.

Mit Bariton Michael Volle und Sopran Lise Davidson sowie Mezzo Anna Maria Chiuri und Tenor Russell Thomas war das auf Papier vielversprechend. Aber ersterer konnte nicht (und wurde von einem tiefennudelnden Ain Anger ersetzt) und letztere wollte anscheinend nicht und röhrte hochdramatisch. Chiuri trug opernhaft verdiesk zur bunten Mischung bei und der gut verständliche Thomas, der Feinste im Bunde, konnte nicht verhindern, dass das Quartet unhomogen klang. Selbst die Wiener Singakademie ließ sich anstecken und war ordentlich aber keinesfalls götterfunkelnd am Werk. Ein etwas mittelmäßiger Start ins Beethoven-Jahr.