Keine Woche ist seit dem Neujahrskonzert vergangen, schon bestreiten die Wiener Philharmoniker einen weiteren Festauftritt. Diesmal senden sie aber keine Walzergrüße in die weite Welt, sondern verneigen sich vor ihrem Hauptspielort: Der Musikverein, Prachtbau der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, feiert am Montag 150. Geburtstag. Das Haus mit dem sagenhaften Magnetismus auf Spitzenorchester und -solisten zelebriert den Anlass entsprechend glanzvoll: Neben den Philharmonikern adeln der Star-Tenor Piotr Beczała und die Meistergeigerin Anne-Sophie Mutter ein Konzert, das das Eröffnungsprogramm von 1870 wiederholt; für den verstorbenen Dirigenten Mariss Jansons springt Semyon Bychkov ein. Im Interview blickt der scheidende Intendant Thomas Angyan auf die bevorstehenden Festlichkeiten - und auf 32 Jahre an der Spitze des Hauses zurück.

Räumt nach 32 Jahren den Chefsessel des Musikvereins: Thomas Angyan, hier im Goldenen Saal des Prachtbaus. - © Musikverein/Wolf Dieter Grabner
Räumt nach 32 Jahren den Chefsessel des Musikvereins: Thomas Angyan, hier im Goldenen Saal des Prachtbaus. - © Musikverein/Wolf Dieter Grabner

"Wiener Zeitung":Das Programm des Jubiläumskonzerts am Montag gleicht dem der Eröffnung von 1870 aufs Haar: Es enthält verschiedene Ausschnitte aus klassischen Stücken. Solche Potpourris waren damals üblich, sind heute aber eher verpönt. Ist dieses Programm nicht etwas aus der Zeit gefallen?

Thomas Angyan:Das Konzert ist eine Hommage - und nur ein Puzzlestein in den Feierlichkeiten. Wir präsentieren im Frühling etwa ein Musikfest von hoher Dichte und Prominenz, allein am Eröffnungswochenende spielen die Wiener und Berliner Philharmoniker vier Programme. Zudem heben wir Neue Musik aus der Taufe: Der Pianist Rudolf Buchbinder spielt Beethovens Diabelli-Variationen und dazu elf weitere Variationen von heutigen Komponisten. Außerdem feiern wir mit Joachim Reibers Buch "Der Musikverein in Wien", Felix Breisachs Film "Mythos in Gold", einem Tag der offenen Tür und so weiter.

1870 beehrte der Kaiser die Eröffnung. Wird am Montag die Politik da sein?

Altbundespräsident Heinz Fischer, der dem Musikverein sehr verbunden ist, wird anlässlich des Festaktes sprechen und beim Konzert anwesend sein; der bisher kulturzuständige Minister Alexander Schallenberg wird ebenso kommen wie die Wiener Stadträtin Veronica Kaup-Hasler. Mich freut besonders, dass wir nicht weniger als 15 Botschafter begrüßen. Das unterstreicht den internationalen Rang des Hauses. Ich wäre glücklich, wenn die heimische Politik diesen Stellenwert auch sehen würde. In den Berichten über die Regierungsbildung war von Kultur kaum die Rede. Ich frage mich, warum man dem Thema so wenig Bedeutung zumisst, wo Österreich doch weltweit mit Kultur gleichgesetzt wird.