Vielleicht hält man Kultur für einen Selbstläufer.

Wahrscheinlich. Die Gesellschaft der Musikfreunde befindet sich jedenfalls in der glücklichen Lage, mit einem Minimalbetrag an öffentlichen Zuschüssen auszukommen. Es sind nur zwei Prozent in unserem Budget. Der Bund fördert uns mit 200.000 Euro, die Stadt mit 270.000 jährlich, für heuer haben wir 100.000 zusätzlich vom Bund erhalten. Dafür bin ich dankbar. In den Vorjahren sind die Zuwendungen aber um bis 60 Prozent gekürzt worden, nachdem wir eine beträchtliche Erbschaft erhalten hatten.

Umgekehrt kann sich der Musikverein über sein langjähriges Naheverhältnis zu einem reichen Bildungsbürgertum freuen. Und nützt es Ihnen nicht auch bei der Sponsorensuche, dass das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker hier stattfindet?

Das Neujahrskonzert ist ein Faktor im Bewusstsein der breiten Bevölkerung: Beim Begriff "Orchesterkonzert" denken die meisten an unseren Goldenen Saal. Für die, die sich tiefer mit Klassik befassen, bedeutet der Musikverein aber mehr. Es ist das Haus, in dem Johannes Brahms in der Loge saß, als Arnold Schönberg am Stehplatz war, das Haus, das einst ein Konservatorium hatte mit Anton Bruckner als Lehrer und Gustav Mahler als Schüler. Dass diese Begegnungen hier stattfanden, dass die Mauern immer noch dieselben sind wie 1870, verleiht dem Musikverein seine Aura.

Sie haben hier am 1. Juli 1988 als Generalsekretär angefangen. Damals gab es keine Handys, kein Internet . . .

. . . und kein Faxgerät. Mein Vorgänger mochte lieber Briefe, weil man sie in aller Ruhe beantworten konnte. Für Notfälle gab es den Fernschreiber. So war das damals. Das Erste, was ich eingeführt habe, war das Faxgerät.

Stimmt es, dass Sie fast alle Veranstaltungen selbst programmieren?

Ja, die meisten großen Orchesterkonzerte und die Solistenabende - in manchen Bereichen ist es eine Gemeinschaftsarbeit. Das Team ist über die Jahre nicht größer geworden, die Konzertanzahl aber sehr wohl. Anfangs waren es 260 pro Saison, nun sind es 930.

Liegt das nicht an den Vier Neuen Sälen, die Sie im Jahr 2004 im Souterrain eröffnet haben?

Auch. Aber wir hatten schon vor dem Umbau knapp 600. Es lag einfach an der Nachfrage. Mein Vorgänger Albert Moser hat mir ein erfolgreiches Haus hinterlassen - aber mit dem Ruf, durch seine Abonnenten völlig ausgebucht zu sein. Der damalige Konzerthaus-Chef Alexander Pereira hat davon enorm profitiert und expandiert. Ich habe dann neue Zyklen aufgebaut und verstärkt Einzelkarten angeboten.

Stimmt es, dass es am Anfang Ihrer Amtszeit zu einem unverhofften Gipfeltreffen der Dirigenten Leonard Bernstein und Herbert von Karajan kam?