Ja. Ich kannte Bernstein schon aus meiner Vorzeit als Jeunesse-Chef gut. Am 1. Oktober 1988 ist er dann im Musikverein aufgetreten. Zwei Tage später dirigierte Karajan, und Bernstein besuchte ihn in der Pause. Die beiden hatten einander zehn Jahre nicht gesehen und blickten bei dem Gespräch offenbar nicht auf die Uhr. Ich hatte nicht den Mut hineinzugehen, um zu sagen: "Herr von Karajan, bitte zurück zur Arbeit." So hat diese Pause wirklich 45 Minuten gedauert.

Was sind die größten Erfolge Ihrer Ära?

Baulich gesehen die Vier Neuen Säle. Dadurch bieten wir etwas Zusätzliches an, ohne die Tradition in den historischen Sälen kaputtzumachen. Jazz oder Weltmusik passen besser in diese Räume. Zweitens haben wir in meiner Zeit mit den Kinder- und Jugendkonzerten begonnen und sie bis auf 280 Veranstaltungen pro Saison gesteigert. Drittens bin ich stolz auf die Orchesterresidenzen. Gast-Ensembles spielen bei uns bis zu zehn Konzerte in Folge. Dadurch können sie in aller Ruhe außergewöhnliche Programmkonzepte umsetzen, statt nach einem Auftritt gehetzt in den Flieger zum nächsten Tournee-Ort zu steigen.

Klassische Musik hat über die Jahre einen Prestigeverlust erlitten. Die Kritiken schrumpfen, in Quiz-Shows werden einschlägige Fragen nicht mehr richtig beantwortet. Spüren Sie im Musikverein einen Rückgang im Verkauf?

Eher im Gegenteil, die Nachfrage steigt, nicht nur bei Touristen. Dass weniger Kritiken erscheinen, stimmt, es schadet aber nicht dem Haus, sondern leider den jungen Künstlern.

Im Sommer räumen Sie Ihren Chefsessel, der Deutsche Stephan Pauly beerbt Sie. Bei seinem ersten Auftritt in Wien saßen sie beide gemeinsam auf dem Podium. Läuft es echt so harmonisch?

Ja, ich verstehe mich mit Pauly sehr gut. Er wurde vom Direktorium bestellt und bekommt von mir alle Unterstützung, die er braucht. Pauly hat die Alte Oper Frankfurt (ein Konzerthaus, Anm.) geleitet und das Mozarteum, er beherrscht den Job.

Zum Schluss noch eine etwas privatere Frage: Werden Sie Ihr Autokennzeichen "Musik 1" behalten - oder ist es Firmeneigentum?

Es war ein Geschenk meiner Mitarbeiter an mich als Generalsekretär. Ich würde das Kennzeichen als Privatmann nicht benutzen, auch wenn man es mir anböte.