Das Internationale Auschwitz Komitee hat den Pianisten Igor Levit für sein Engagement gegen Antisemitismus und rechtsextremen Hass geehrt. Levit verteidige mit Mut, Kreativität und Lebensfreude die Werte der Demokratie, erklärte das Komitee zur Preisverleihung am Sonntag in Berlin.

Levit sagte, "der Versuch, Biografien zu zerstören, kostet gar nichts mehr, außer einem Smartphone". Levit sagte, er sei dankbar für die Auszeichnung, in ihm sei aber auch eine große Wut über die mediale und politische Realität. "Die Tatsache, dass in diesem Land demokratisch gewählte Politikerinnen und Politiker in den Rücktritt gezwungen werden, weil sie von anonymen oder nicht anonymen Faschisten bedroht werden und dass das nicht täglich Seite 1 ungefähr von 80 Prozent der Zeitungen dieses Landes Thema ist, löst in mir eine Wut aus, die kann ich ihnen gar nicht beschreiben", sagte Levit. Ein Knopfdruck genüge und "theoretisch kann man damit rechnen, dass ein Mensch zerbricht".

Vor zwei Wochen hatte der russisch-deutsche Pianist öffentlich über Morddrohungen gegen ihn gesprochen und von der Angst, die er empfinde, seit man ihn selbst mit Mord bedroht habe. Levit wolle sich von diesen Drohungen aber nicht einschüchtern lassen.

Politisch klar positioniert

Der Musiker erhielt auch die "Gabe der Erinnerung", eine Statue mit dem Buchstaben "B" aus der Aufschrift "Arbeit macht frei" über dem Tor des Vernichtungslagers Auschwitz. Häftlinge hatten den Buchstaben heimlich auf den Kopf gestellt, als sie das Schild auf Befehl der SS fertigen mussten.

Levit, am 10. März 1987 in Gorki (heute Nischni Nowgorod) geboren, übersiedelte wegen seiner musikalischen Ausbildung mit seinen Eltern 1995 nach Deutschland. Er gilt als einer der besten Liszt- und Beethoven-Interpreten der Gegenwart. Außerdem hat er sich intensiv mit dem Werk Bachs auseinandergesetzt und mit dem Werk des US-Komponisten Frederic Rzewski.

Levit bezog wiederholt in der Öffentlichkeit Position gegen Hass auf Juden und Muslime. So gab er etwa 2018 anlässlich des Skandals um die Rapper Kollegah und Farid Bang seinen ECHO KLASSIK-Musikpreis zurück. Nachdem er im November 2019 eine E-Mail mit einer Morddrohung erhalten hatte, veröffentlichte er am 29. Dezember 2019 im Tagesspiegel einen Gastbeitrag unter dem Titel "Habe ich Angst? Ja, aber nicht um mich". Nährboden des Hasses sei, so Levit, die enthemmte Sprache: "Erst die Sprache, dann die Tat. Und aus den Echokammern des Netzes brandet Beifall auf. Völkischer Hass nimmt alles ins Visier, was ihm nicht passt."

Levits Statement war die Ursache, dass Politiker wie der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck und Bundestagspräsident Schäuble härtere Maßnahmen gegen Antisemitismus forderten. Die CDU in Hannover, wo Levit an der Musikhochschule Professor ist, schlug ferner eine Städtepartnerschaft mit einer israelischen Stadt vor. (eb)