Bei ihrem sechsten Abonnementkonzert präsentierten die Wiener Philharmoniker im Musikverein zwei russische Werke unter der Leitung von Valery Gergiev: Peter Iljitsch Tschaikowskis Erste Symphonie, kombiniert mit der Symphonischen Suite "Scheherazade" von Nikolai Rimski-Korsakov. Winterträume trafen auf orientalische Erzählungen aus der Sammlung "Tausendundeine Nacht". Ein vielversprechendes Kaleidoskop voll zauberhafter Abenteuer.

Die programmatische und personelle Zusammenstellung war in mehrfacher Hinsicht eine denkbar glückliche: Den inhaltlichen Vorgaben folgend, boten sich für die ausführenden Protagonisten fabelhafte Gelegenheiten, sowohl individuelles Gestaltungsgeschick als auch feinfühliges Zusammenspiel unter Beweis zu stellen - beginnend bei der Konzertmeisterin Albena Danailova, deren geschmeidige Girlanden für die Stimme der schönen Erzählerin Scheherazade standen. Verführerisch schmiegte sich die Klarinette daran, sehnsuchtsvoll formte die Oboe ihre Melodiebögen. Hier eine erdig exotische Fagottlinie, da ein schimmerndes Flötensolo, dort eine schmetternde Blechbläserpassage stellvertretend für den mächtigen Sultan. Dirigent Valery Gergiev gelang der Reigen der Stimmungswechsel süffig und nahtlos. Auch die zu Beginn interpretierte Erste Symphonie von Tschaikowski erfreute mit Sinnlichkeit und einem voll ausgekosteten Farbspektrum. Die Soli ertönten durch die Reihen inspiriert, der Gesamtklang war plastisch und animierend. Eine ganze russische Landschaft erschien vor dem geistigen Auge. Ein Samstagnachmittag wie im Märchen.