Ludwig van Beethoven. Ein Name wie ein Donnerschlag. Keiner hat die Musik so verändert wie er. Genialer Komponist - schwieriger Mensch: Erst nach langem Suchen, in welchem Quartier er nach mehr als 40 Umzügen in Wien gerade wohnt, hat die "Wiener Zeitung" den Komponisten aufgespürt. Wir treffen ihn in einer muffigen Wohnung an.

Stellen Sie sich den schmutzigsten, schlampigsten Platz vor: Feuchtigkeitsflecken waren am Plafond zu bemerken; ein altes Klavier, auf dem sich der Staub und verschiedene Musikdrucke und Manuskripte um den Platz stritten; unter dem Klavier ein nicht ausgeleerter Nachttopf; eine Anzahl von vor trockener Tinte starrender Federn. Die Stühle, zumeist Rohrstühle, waren mit Tellern, Kleidung und dergleichen bedeckt.

Doch der Komponist stellte sich bereitwillig, wenngleich in seiner bekannten Launenhaftigkeit, dem Interview anlässlich seines Jubiläumsjahrs.

"Wiener Zeitung": Sie gelten als der bedeutendste Komponist . . .

Ludwig van Beethoven: Nicht entreiße Händel, Haydn, Mozart ihren Lorbeerkranz; ihnen gehört er zu, mir noch nicht.

Einverstanden: . . . als einer der bedeutendsten Komponisten. Umso mehr sorgt sich die musikalische Welt um Ihre Gesundheit. Deshalb gerade heraus gefragt: Wie geht es Ihnen?

Mein Gehör ist seit drei Jahren immer schwächer geworden, und das soll sich durch meinen Unterleib, indem ich ständig mit einem Durchfall behaftet war und mit einer dadurch außerordentlichen Schwäche, ereignet haben.

Sie galten als Gesellschaftslöwe, aber seit einiger Zeit machen Sie sich rar in der Öffentlichkeit . . .

Seit zwei Jahren fast meide ich alle Gesellschaften, weil es mir nun nicht möglich ist, den Leuten zu sagen, ich bin taub, hätte ich irgend ein anderes Fach, so ginge es noch eher, aber in meinem Fach ist das ein schrecklicher Zustand.

Wie gehen Sie damit um?

Ich habe schon oft den Schöpfer und mein Dasein verflucht, Plutarch hat mich zu der Resignation geführt, ich will, wenn es anders möglich ist, meinem Schicksal trotzen, obschon es Augenblicke meines Lebens geben wird, wo ich das unglücklichste Geschöpf Gottes sein werde.

Sie gelten als der Komponist, der die Musik in eine neue Zeit führt. Erfüllt Sie diese Vorreiterrolle mit Stolz?

Der wahre Künstler hat keinen Stolz; leider sieht er, dass die Kunst keine Grenzen hat, er fühlt dunkel, wie weit er vom Ziele entfernt ist und indes er vielleicht von Andern bewundert wird, trauert er, noch nicht dahin gekommen zu sein, wohin ihm der bessere Genius nur wie eine ferne Sonne vorleuchtet.