Hand aufs Herz: Können Sie die zehn Gebote in der richtigen Reihenfolge aufzählen? Wenn nicht, dann sollten Sie auf einen Abstecher bei den Resonanzen im Konzerthaus vorbeischauen. Hier wird jeden Abend einem der Gebote ein passendes Barockprogramm gegenübergestellt. Zur Eröffnung gab es die seltene Gelegenheit, Georg Friedrich Händels "Theodora" zu hören. Nur logisch, schließlich handelt das Oratorium von der christlichen Theodora, die sich bis zum Schluss weigert, sich zu den römischen Göttern zu bekennen. Warum? Richtig: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Die Chor- und Orchesterformation Arcangelo haucht dieser Barockperle Leben ein. Unter der Leitung von Jonathan Cohen erstrahlt das Oratorium als feuriges Meisterwerk. Cohen, der dirigierend am Cembalo sitzt, setzt Akzente und arbeitet Motive heraus. Schwungvoll lautet die Devise. Die Chorformation überrascht mit beeindruckender Intensität. Einziger Dämpfer sind die Solisten, die nicht vollends überzeugen, was schade ist bei einem Werk, das von diesen getragen werden sollte. Viel Ausdruck aber wenig Fülle in der Stimme von Sopranistin Louise Alder (Theodora) und Mezzosopranistin Anna Stéphany (Irene). Überzeugender hingegen die Herren, allen voran Countertenor Tim Mead (Didymus) und wenn seine Stimme mit jener von Louise Alder in den Duetten, die den gemeinsamen Tod besiegeln, zu verschmelzen scheint, möchte man vor überzeugender Trauer jubilieren. Dass man das einem Verstoß gegen das fünfte Gebot zu verdanken hat, ist beinahe nebensächlich.