Klar, dass Mozart sich wundern würde, hörte er seine Musik von einem heutigen Orchester gespielt. Aber geradezu perplex wäre er wohl, hörte er seine Hornkonzerte so, wie Radek Baborák das Es-Dur-Konzert KV 447 bei der Salzburger Mozartwoche im Großen Festspielhaus hat tönen lassen.

Ein Horn zur Mozart-Zeit: Das hatte mehr Wesensverwandtschaft mit einem Gartenschlauch, auf dem sich auch Töne produzieren lassen. Keine Ventile, für einen Tonartwechsel wurden Rohrbögen verschiedener Länge dazugesteckt. Das brachte starke Klangfarbenunterschiede mit sich. Raffinierte Alt-Töner "spielen" mit diesem Sound, führen vor, wie Mozart seinerseits gespielt hat mit solchen Optionen zwischen Klang und Geräusch. Eine andere Welt, wenn Baborák, technisch State of the art, auf einem modernen Horn zu Werke geht. Da scheint alles möglich, und das Blasinstrument kann den Dialog mit den Streichern aufnehmen. Mit traumhaftem Ansatz und feinstem Lineament unterbot Baborák gar noch die Piani der Wiener Philharmoniker.

In der Mozartwochen-Intendanz von Rolando Villazón baut man fünf Jahre ganz auf Daniel Barenboim. Er dirigiert je zwei der drei Konzerte der Philharmoniker, immer ist auch ein Klavierkonzert dabei. Diesmal jenes in d-Moll KV 466. Viele der Unternehmungen Villazóns finden in kleinen Räumen statt, sind per se keine Verkaufsschlager. Da sind Barenboim und die Philis im Großen Festspielhaus eine Beruhigung fürs Budget und für die Ohren des Publikums, das sich auf Musizieren ohne Irritation, auch ohne marginale Aufregungen verlassen kann.