Der Begriff Schlagzeug ist einfach nicht ausreichend. Denn es wird schon lange nicht mehr nur "geschlagen". Christoph Sietzen, dem das Konzert für Klangwerk und Orchester vom Komponisten Georg Friedrich Haas zugeeignet ist, schlägt und trommelt nicht nur, er sägt sein Klangmaterial auch probeweise mit dem Geigenbogen an.

Was das Instrument betrifft, ist der Begriff "Schlagzeug" hingegen auf den ersten Blick sehr wohl angebracht. Denn hier hängt eine ganze Menge Zeug herum (Haas bezeichnet es als kostbare Artefakte): großteils Platten vom Schrottplatz, fein säuberlich nach Tonhöhe und Klangfarbe platziert. Auch eine alte Öltonne hat ihren Weg ins Konzerthaus gefunden. Sietzen bringt erst das Metallgehänge zart zum Klingen - dazu eine orchestrale Klangkulisse, bestehend aus trötenden Bläsern, Luftsäulen, tonlosen Trillern, Glissandi oder kratzenden Geigenbögen. Schließlich aber braust er über die Trommeln, das Orchester wird zunehmend schriller, um die Hörer in abrupte atmosphärische Wechsel zu stürzen. Soundmassen werden verschoben, klangfarbliche Sinnlichkeiten erprobt. Spektakulär!

Schwungvolle Tänze

Im Saal herrscht aufgeregtes Gewusel. Die Wiener Musikszene hat sich für den Abend eingefunden - womöglich auch wegen der mexikanischen Dirigentin Alondra de la Parra am Pult des RSO Wien. Schwungvoll widmet sie sich Arturo Márquez’ "Danzón Nr. 2" und Heitor Villa-Lobos‘ stilpluralistischen "Bachianas brasileiras Nr. 7". Musik, die Sergei Prokofjews "Symphonie classique" fast alt aussehen lässt.