Unter dem Motto "Wer ist im Raum?" stand am Montagabend ein Konzert des Klangforum Wien, bei dem ausschließlich Werke von Komponistinnen zur Aufführung gelangten - eine Frage, die als Anspielung auf die nach wie vor deutliche Unterrepräsentation von komponierenden Frauen in den Räumen Neuer Musik verstanden werden kann. Eine Frage, die die Komponistinnen in ihren Werken aber auch konkret verhandelten. So Francesca Verunelli in dem uraufgeführten Stück "Wo/man sitting at the piano", in dem eine Flötistin einem selbstspielenden Klavier begegnet. Während das Pianola im ersten Teil eine Art Resonanzraum für die Impulse der Flöte bildet und im Mittelteil ohne sichtbares menschliches Zutun aberwitzig schnelle Figurationen erzeugt, lebt der langsam-monotone dritte Teil von subtilen Nuancen.

Nach Verunellis mitunter an Langatmigkeit grenzender Sparsamkeit wurde das Publikum im zweiten Teil vom Maximalismus der Ensemblewerke von Sarah Nemtsov förmlich erschlagen. In "Moos", ebenfalls eine Uraufführung, steht das titelgebende Gewächs laut Werkkommentar für die "horizontale" Übertragung der Klänge verschiedener Instrumentengruppen mittels Transducern an die Schlaginstrumente (was sich ohne Programmheft-Lektüre kaum erschlossen hätte). Immerhin wurde durch den Reichtum an Ereignissen die Aufmerksamkeit wach gehalten. So auch in "White wide eyes", in dem Klavier, Streicher und Bläser mit Samples, Synthie-Sounds, Sirenen und Metallgeräuschen eine Überfülle an Eindrücken erzeugen: eine unüberhörbar Raumeinnahme.