Sergej Slonimski ist am 9. Februar in St. Petersburg gestorben. Der russische Komponist war zur Zeit der Sowjetunion ein Vertreter einer westlich orientierten und daher scharf beobachteten Avantgarde. Er trat vor allem als Komponist von 34 Symphonien hervor, zu seinem Schaffen gehören aber auch acht Opern, u.a. eine nach Michail Bulgakows Roman "Der Meister und Margarita", und das international erfolgreiche Ballett "Ikarus".

Slonimski wurde am 12. August 1932 im damaligen Leningrad (heute St. Petersburg) als Sohn des Schriftstellers Michail Slonimski geboren. Sergej Slonimski studierte an der Moskauer Musikfachschule Klavier und Komposition bei Wissarion Schebalin und Boris Arapow. Danach setzte er seine Studien am Leningrader Konservatorium fort. Ab 1959 lehrte er selbst an diesem Institut. Außerdem ist er als Musikethnologe hervorgetreten: In den Jahren 1960-1970 unternahm er mehrere Expeditionen in die Regionen von Nowgorod, Pskov und Perm, um dort alte und neu entstandene Volkslieder aufzuzeichnen.

Sergej Slonimski galt als ein hervorragender Vertreter der Neuen Musik der Sowjetunion und später Russlands. - © Wikipedia/www.vmdaily.ru
Sergej Slonimski galt als ein hervorragender Vertreter der Neuen Musik der Sowjetunion und später Russlands. - © Wikipedia/www.vmdaily.ru

In seinem gesamten Schaffen verschmilzt Slonimski Eigenarten der traditionellen russischen Musik mit westlichen Techniken. Seine Verwendung von Zwölftontechnik und Jazz wurde zeitweilig von den sowjetischen Kulturwächtern beargwöhnt. Doch Slonimski verstand es, alle Elemente überzeugend zu verbinden. So stehen in seinem Ballett "Ikarus" neben dissonant geballten rhythmischen Entladungen auch schwelgerische melodische Entwicklungen.

Probleme mit der Zensur

Seine Opern "Virinea" (1967), "Maria Stuart" (1980), "Hamlet" (1990), "Zar Ixion" (1993) und "Die Vision Iwan des Schrecklichen" (1995) wurden mit großem Erfolg an den bedeutendsten Bühnen Russlands aufgeführt. Große Probleme hatte Slonimski indessen mit seiner Oper "Der Meister und Margarita" (1972): Nach einer Testaufführung unter Mstislav Rostropowitsch wurde das Werk von den sowjetischen Kulturbehörden verboten. Erst 17 Jahre später wurde der Bann aufgehoben. Mittlerweile wurde das Werk auch auf der EXPO 2000 in Hannover gezeigt.

Slonimski hatte die Gabe, schnell zu schaffen, ohne, dass seine Werke durch die kurzen Arbeitsprozesse an Gewicht verlieren würden. So ist ein Oeuvre von über 100 Werken von teilweise bedeutenden Ausmaßen zustande gekommen. Eines der wichtigsten ist seine Zehnte Sinfonie: Sie befasst sich in neun konzentrierten Sätzen mit Dantes "Inferno". Besonderes Gewicht hat auch die vom Dirigenten Gennadi Roschdestwenski besonders geschätzte Zweite Sinfonie, die neoromantische Passagen mit aufregendem Jazz kontrastiert.

Die meistgespielten Werke Slonimskis dürften sich allerdings in seiner Sammlung von Klavierstücken für Kinder finden: In ihnen macht Slonimski die jungen Musiker mit stilistischen Eigenarten klassischer Komponisten vertraut, aber auch mit zeitgenössischen Klängen, indem er aus etüdenhaften Aufgabestellungen das entwickelt, was immer seinem eigentlichen Wesen entsprach: Brillante, leidenschaftliche Musik.