Gustav Mahlers "Rückert-Lieder" liegen in unzähligen Aufnahmen vor. Wenn nun ein Programm das Zusammentreffen der Wiener Philharmoniker mit Matthias Goerne offeriert, vermuten Klassikliebhaber eine mehr als vielversprechende Aufführung. Die Darbietung im Wiener Konzerthaus blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück. Denkbar kurz fiel der Applaus am Ende des ersten Konzertteils aus, überraschend rasch begaben sich alle Anwesenden in die Pause. Die Philharmoniker hatten wunderbar gespielt, Goernes Stimme war samtig und süß geflossen. Aber Christoph Eschenbach am Pult hatte diese ausdrucksstarke Musik beinahe brach liegenlassen.

Nächste Woche wird der deutsche Musiker, der seine Karriere einst als Pianist begonnen hat, achtzig Jahre alt. Anfang dieser Saison übernahm er den Posten des Chefdirigenten des Konzerthausorchesters Berlin. Die Wiener Philharmoniker feiern auch an diesem Abonnement-Wochenende mit dem Jubilar Eschenbach.

Ausgelassener und von der Zeichengebung dynamischer fiel das zweite Werk des Abends aus: Brahms’ Erstes Klavierquartett in der Orchesterbearbeitung von Arnold Schönberg. Eine abenteuerliche Instrumentierung, die der Arrangeur scherzhaft mit dem Titel "Brahms’ Fünfte Symphonie" versah. An sich ein Paradestück für die Klangkunst der Wiener Philharmoniker, doch auch hier wären seitens des Dirigenten mehr Feinzeichnung und ein stärkeres Zupacken wünschenswert gewesen.