Da stand sie nun da: die Sirene, die Meerjungfrau, die immer jugendliche, zierliche Person mit den feuerroten Haaren, diesmal im blitzblauen Matrosenkleid. Sprich: Es war Showtime im wahrsten Sinne für Patricia Petibon.

"L’amour, la mort, la mer" war der bedeutungsschwangere Titel ihres Wiener Abends im Brahmssaal mit französischen Poemen, spanischen Canciónes und englischsprachigen Songs. Und so wurden die Dialoge mit Pianistin Susan Manoff zu Werken von Samuel Barber, Enrique Granados, Francis Poulenc und vielen anderen über Liebe, Tod und Meer ein zur anschließenden CD-Signierstunde passendes Ereignis. Lächeln wie Tränen in die Augen des Publikums waren bei so viel Zauber auf der Bühne vorprogrammiert.

Bereits in Barbers "Crucifixion" wurde die Reife im Timbre der Französin offenbar, sie erzählte die Leiden Christi nicht bloß, sie machte sie spürbar. Gabriel Faurés "Au bord de l’eau" dagegen präsentierte sich nicht einfach als esoterischer Hit, hier strahlte die Schönheit der Melodie in allen noch so leisen Nuancen. Petibon legte an dramatischen Knackpunkten eine bewusst gewählte Schrillheit im Diskant an den Tag (etwa der persischen Poesie "All through eternity" des Zeitgenossen Nicolas Bacri) - und zerfloss in Majo-Liebesliedern von Granados bis John Lennon.

Das humoristische Element durfte Petibons Anspruch der Gesamtentertainerin entsprechend nicht zu kurz kommen. Stimmspiele, Clownnasen und Glitzerfische schwirrten durch den Saal, in Manoffs pianistischen Intermezzi (u.a. vom Filmkomponisten Yann Tiersen) unterhielt sie pantomimisch, aber auch mit mancher Vocalise. Ein Abend voller Esprit begeisterte Wien.