Die "Frühlingssymphonie" schon im Februar? Dank Klimawandel ist es zeitgemäß: 14 Grad umwehten das Publikum, als es am Sonntag zum ersten Musikvereinsauftritt von Marin Alsop als neuer Chefdirigentin des RSO strömte. Der symphonische Evergreen von Robert Schumann wurde dabei in einer Sonderfassung gereicht - nämlich mit Retuschen aus der Feder Gustav Mahlers. Letzterer schützte seine Partituren zwar durch eine ganze Heerschar an Anmerkungen vor Verschlimmbesserungen im Konzertsaal, griff als Dirigent aber unbekümmert in fremde Werke ein. Beethovens Neunte hat er streckenweise neu instrumentiert - und sich mit diesem "Update" einigen Zorn eingehandelt.

Schumanns "Frühling" hat Mahler offenbar eher moderat aufgeputzt: Weder schwillt die Lautstärke kolossalromantisch an, noch weicht das Klangbild markant vom Gewohnten ab. Schumanns Zweite Symphonie dagegen, hier ebenfalls mit Mahler-"Korrekturen" geboten, beschert dafür Irritationen: Zwei, drei Akkorde hat der Nachgeborene stilbrecherisch behübscht.

Alsop modelliert beide Werke wirkungsvoll. Stimmt zwar: Mitunter ließe sich mehr quirliges, emotionales Wechselspiel auf engem Raum erzeugen. Doch das Tempo und das präzise Zusammenspiel vereiteln Fadesse bei diesem Vormittagskonzert. Das liegt auch an Henzes "Nachtstücken und Arien" nach Gedichten Ingeborg Bachmanns (1957) in der Konzertmitte: Die ausdrucksopulenten 20 Minuten schwanken zwischen süffiger Schönheit und schroffer Dissonanz und fordern Juliane Banses Sopran ein Kraftmaximum ab, das der Schlussbeifall einhellig würdigte.