Tänzelnde Flöten, überzeichnet enthusiastische Läufe, bedeutungsschwere Instrumentenblöcke. Und dann ist sie auch schon wieder vorbei, Schostakowitschs Neunte Symphonie, die bei der Uraufführung im November 1945 genau deshalb für Empörung sorgte, allen voran bei Stalin. Denn dieser hatte sich eine Siegessymphonie erwartet, die ihm ob des soeben gewonnenen Krieges gegen Deutschland in seiner Größe gerecht werden sollte. Doch Schostakowitsch war auf das Spiel nicht eingegangen. Er legte in seine Symphonie ". . . nicht die Spur einer Beweihräucherung des Größten. Es war einfach Musik, die Stalin nicht verstand und deren Gehalt daher dubios war", wie der Komponist selbst vermeldet. Stalin war entsetzt, ganz nach dem Motto: Schlechte Musik und auch noch viel zu kurz. Heute freilich lauscht man dieser Musik mit anderen Ohren, offen für die sarkastische Note. Die Wiener Symphoniker unter Lahav Shani treffen den verschmitzten Ton im Allegro und schwenken sogleich in einen ernsten Tonfall: Spannungsreich, wenn auch des Öfteren nicht ganz im Gleichschritt.

Lahav Shani, designierter Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra, dirigierte in Wien Werke von Schostakowitsch und Rachmaninoff. - © Foto: Marco Borggreve, www.marcoborggreve.com
Lahav Shani, designierter Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra, dirigierte in Wien Werke von Schostakowitsch und Rachmaninoff. - © Foto: Marco Borggreve, www.marcoborggreve.com

Mit Yefim Bronfman zu Beginn setzt man auf einen Joker am Klavier, der kraftvoll und virtuos Rachmaninows Drittes Klavierkonzert durchleuchtet und abschließend noch, als wäre das nicht genug, das Finale von Beethovens "Appassionata" als Zugabe aus dem Ärmel schüttelt. Ein virtuoser Abend, gespickt mit glanzvollen Soloparts, allen voran Fagott und Flöte. Standing Ovations gab’s für den Pianisten.