Spitze Zungen behaupten, Japan habe eine längere Brucknertradition als Wien. Fest steht, dass Japanische Orchester - über den legendären Takashi Asahina und seine Osaka Philharmoniker hinaus - zu Bruckner einen ganz besonderen Bezug haben. Alleine schon deswegen war die Konstellation des NHK-Orchesters mit Bruckners Siebenter Symphonie im Konzerthaus von besonderem Interesse - und auf doppelte Weise ein Heimspiel im Ausland.

Zugegeben, das traditionsreichste japanische Orchester hatte nicht seinen allerbesten (und die Bläser nicht ihren kieks- und wackelfreien) Tag. Aber wie sich die massiven Speckstein-Formationen hier kantenlos auftürmten, in ungeniert vollem Klang und mit schmetterfreudigem Blech, das war gerade in den Außensätzen eine beeindruckende Bruckner-Demonstration. Dass sich Dirigent Paavo Järvi dabei auf sein Orchester und dessen Tradition einlässt, ist schon daran erkennbar, um wie vieles schlanker dieser Bruckner zum Beispiel mit dem hr-Sinfonieorchester unter der Leitung des Pultstars klingt.

Vor der Pause gab es Beethovenschen Glitzerreigen mit Khatia Buniatishvili: Ein mit Theatralik beladenes Drittes Klavierkonzert, immer auf Kontraste aus und vor lauter Hochdynamik ermüdend. Es war wiederum bewusst kontrastiert mit Schuberts Ges-Dur-Impromptu D 899/3 als Zugabe: Eine herrlich kontrolliert gespielte Studie in mezzo-piano-Ebenmäßigkeit. Die feine, zu Konzertbeginn servierte Musik von Toru Takemitsu, hier das Spätwerk "How slow the Wind", spricht eine moderne und doch leicht zu erfassende Klangsprache, in zarten Farben, delikat, mit ausdrucksvollen Nachklängen und Pausen. Es machte Lust auf mehr.