In gleichem Maße populär und von Kennern verehrt ist Martha Argerich seit über einem halben Jahrhundert einer der ganz wenigen Superstars der klassischen Musik. Ein musikalisches Phänomen, das auch mit 78 Jahren noch zu beindrucken weiß, wie sie im Wiener Konzerthaus mit Prokofjews drittem Klavierkonzert - und eingebettet von gut aufgelegten Wiener Symphonikern unter der Leitung von Lahav Shani - zur Schau stellen konnte.

Wobei: "Zur Schau stellen" ist eben gar nicht ihr Ding. Argerich beeindruckt gerade durch völlig unprätentiöses Spiel. Sie musziert mit dem Orchester, nicht vor ihm. Und so erklang das Konzert in einer unnachahmlichen Kombination von virtuoser Nonchalance, Lockerheit, und Temperament. Da hätte der zarte, intuitive Versuch eines Applauses nach dem ersten Satz mehr Mitmacher verdient gehabt. Zumal der Satz eindeutig auf Enthusiasmusbezeugung hinkomponiert wurde, nicht auf eine betretene Hustenpause.

Vielleicht von ihrer musikalischen Kollaborateurin inspiriert, spielten die Symphoniker in weiten Wogen, zupackend, aber auch knackig und mit ausgewogenem Bläserklang. Man darf auf die im Vorfeld gemachte Aufnahme gespannt sein: Es wäre Argerichs sechste von diesem Konzert.

Bei Rachmaninows "Symphonischen Tänzen" machte das Orchester weiter, wo es aufgehört hatte: samtig auftragend, wuchtig, und mit einem extra Klacks rachmaninow’schen Schmalzes. Vierhändigen Ravel mit Argerich und Shani gab es als Bonus.