Ludwig van Beethoven komponiert "abstoßende Harmonien", Johannes Brahms ist ein "untalentierter Bastard" und Claude Debussy ist einfach hässlich. In den Genuss solcher und anderer sachlicher Einschätzungen von Komponisten und ihrer Musik kam man bei der Vorstellung "The Music Critic" im Konzerthaus. Während die größten Komponisten und einige ihrer bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts ihr Fett abbekommen, reibt sich das Publikum genussvoll die Hände. Große Namen, die auf kritische Stimmen ihrer Zeit treffen. Und nebenbei wird auch noch Kritik am Kritiker geübt. Ein Konzept, das Erfolg verspricht. Und es gelingt auch teilweise.

John Malkovich schlüpft in diesem von Aleksey Igudesman entwickelten Programm in die Rolle des gestrengen Musikkritikers, Igudesman & Joo übernehmen gemeinsam mit Freunden den Part der um Gnade flehenden Musiker, die den Kritiker gleichzeitig in seine Schranken weisen. Sie spielen die Werke, von denen die Rede ist, und Malkovich liest, was über diese einst geschrieben wurde. Das ist humorvoll. Zumindest die erste halbe Stunde. Dann erschöpft sich das Konzept allerdings relativ rasch. Man hat verstanden. Auf der Bühne versucht man, die Spannung durch Steigerung zu halten. Etwa dadurch, dass man sich selbst ins Spiel bringt. Dass man also die Kommentare aus dem Internet vorliest, die über Aleksey Igudesman selbst geschrieben wurden. "What a douche", heißt es da etwa, oder "Mozart würde sich im Grabe umdrehen", oder ganz einfach: "This sucks".

Ganz so schlimm ist dieser Abend zwar nicht. Bezeichnend aber, dass das Publikum just da am meisten lacht, wo Igudesman und Joo in ihr übliches Kabarettprogramm schlittern und etwa Mozarts "Alla turca" in Dur statt in Moll spielen. Die Rolle des Musikkritikers scheint die Musiker mehr zu beschäftigen als den regulären Konzertbesucher. Schön und wichtig aber, dass diese überhaupt thematisiert wird.